Es begann kurz nach der Stabsübergabe. Kaum war Gerhard Pfister angetreten, um das Ruder herumzureissen und der CVP nach einem Vierteljahrhundert Talfahrt wieder zu neuen Höhenflügen zu verhelfen, outete sich sein Vorgänger. Er habe seine Frau betrogen und dabei gleich noch ein uneheliches Kind gezeugt, bekannte Christophe Darbellay vor zwei Jahren via «Sonntagsblick».

Die Vorzeichen hätten nicht schlechter sein können für den Rechtsaussen-
Nationalrat aus Zug, als welcher Pfister damals galt. Dem kaum einer zutraute, die Partei der Mitte zu führen.

Er werde scheitern, weil er immer nur nach rechts schiele und den christlichsozialen Teil der Volkspartei vergraule, unkten seine Kritiker. Doch die CVP hat sich unter Pfister nicht zur rechtsbürgerlichen Kopie der SVP gewandelt. Sie zog, ganz Partei der Mitte, mal mit rechts und mal mit links mit. Notfalls, wie bei der Rentenreform, bis zum bitteren Ende.

Seine Schäfchen machen es dem Hüter der politischen C-Herde aber nicht einfach. Ein Jahr nach Darbellays Outing spielten die Hormone eines anderen Walliser CVP-Nationalrats verrückt. Yannick Buttet klingelte so lange besoffen an der Haustüre seiner Geliebten, bis er von der Polizei aufgegriffen und später verurteilt wurde. Es brauchte sechs weitere Frauen, die ihn der sexuellen Belästigung beschuldigten, bis er aus dem Nationalrat zurücktrat und sein Amt als Vizepräsident der CVP abgab.

Aktuell macht der Zuger Sicherheits- und Polizeidirektor Beat Villiger von sich reden. Am Tag seiner Wiederwahl gestand er ein, mit einer ehemaligen Geliebten eine Tochter zu haben. Dieser Geliebten habe er sein Auto geliehen, mit dem diese zweimal in eine Verkehrskontrolle geriet. Der Bündner Ständerat Stefan Engler ist in den Bauskandal seines Kantons verwickelt. Diese Woche wurde zu allem Übel publik, dass sich der Genfer Nationalrat Guillaume Barazzone auf fremde Kosten ans Formel-1-Rennen nach Abu Dhabi einladen liess.
Die CVP hat ein ausgewachsenes Personalproblem, das sich nun, da es um die Neubesetzung ihres einzigen Bundesratssitzes geht, gnadenlos manifestiert. Pfister selber hat sich schon im Frühjahr aus dem Rennen genommen – da er, siehe oben, die Partei in die Wahlen führen müsse. Potenzielle Kandidaten der ersten Garde winken zurzeit reihenweise ab. Die paar Frauen– und der bisher einzige Mann –, welche sich melden, lösen schon in der CVP-Fraktion wenig Begeisterung aus. Erst recht im ganzen Parlament. Zweifel werden laut, ob einer oder eine von ihnen wirklich in der Lage sei, das politische Ausnahmetalent Doris Leuthard abzulösen. Zu links, zu wenig kommunikativ, in Bundesbern zu unbekannt, aus der falschen Gegend stammend: So lauten die Vorwürfe.

Da erschallt der Ruf: Der Parteichef sei «der Beste», die CVP müsse ihn auf den Bundesratssitz hieven.

Doch selbst wenn er wollte: Er kann nicht mehr kandidieren, ohne das Gesicht zu verlieren. Erst recht nicht, da Ständerat Peter Hegglin, der einzige Kandidat, wie er aus Zug stammt.
Pfister hat viele Fähigkeiten. Vielleicht wäre er in der Lage, das politische Ausnahmetalent Doris Leuthard zu ersetzen. Er hat sich aber dazu verdammt, seine Partei in die Wahlen zu führen. Eine Niederlage ist nun absehbar. Denn statt einer Lokomotive wird die CVP wohl eher einen Bremsklotz vor den Karren spannen. Gerhard Pfister sitzt in der Falle. In einer selbst mitgebauten obendrein.