Kommentar

Das Problem mit dem Littering beginnt beim Namen

Der Aargau hat das strengste Litteringgesetz der Schweiz seit Anfang Jahr. Das beeindruckt die Abfallsünder nicht. Woran das liegt? Ein Kommentar.

Gleich zwei Ärgernisse akzentuieren sich in diesen sommerlichen Tagen: Lärm und Littering. In den Innenstädten und auf Raserstrecken dröhnen Motoren und knallen Auspuffe extra laut und besonders Flussufer werden mit Plastik und Dosen zugemüllt.

Während die Polizei sogenannte Autoposer medienwirksam aus dem Verkehr zieht und aus der Politik der Ruf nach PS-Beschränkung laut wird, nehmen wir das Litteringproblem mit zunehmender Ohnmacht zur Kenntnis.

Der Aargau hat seit Anfang Jahr mit 300 Franken zwar die höchste Litteringbusse der Schweiz. Doch gerade mal 40 solche Strafzettel wurden bisher verteilt, weniger als zwei pro Woche.

Auch hier zeigt sich: Das schärfste Gesetz nützt nichts, wenn es kaum umgesetzt wird. Nur wenn ein Polizist den Abfallsünder in flagranti erwischt, darf er ihn büssen. Wie realitätsfremd das ist, hat sich abgezeichnet. Erstens gibt es für eine wirksame Ahndung zu wenig Polizisten und zweitens kann man das Liegenlassen von Müll naturgemäss schlecht nachweisen, wenn der Täter nicht mehr vor Ort ist.

Hohe Bussen sind grundsätzlich richtig. Wer Tier und Natur vorsätzlich schadet, soll es im Portemonnaie spüren. Aber es ist wie bei den Coronaregeln: Wirksam wird eine Massnahme erst, wenn sie von der grossen Mehrheit der Bevölkerung angenommen und ein Verstoss dagegen geächtet wird.

Vielleicht sollte man als Erstes den cleanklingenden Begriff «Littering» ersetzen durch einen Ausdruck, der die Sache deutsch und deutlich beim Namen nennt.

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