Kolumne

Der Aargau ist also doch nicht so uninteressant

Im Wahlkampf entdeckt die Schweiz den Aargau.

Der Aargau wird in der medialen Berichterstattung des Wahlkampfs in besonderem Masse unter die Lupe genommen. Das verwundert unseren Kolumnisten. Ebenso wie die Tatsache, dass der Klimawandel ein Links-Rechts-Hickhack erzeugt.

Es scheint, als hätten die nationalen und die Züri-Medien gerade entdeckt, dass der Aargau nicht irgendeine Politikbrache, sondern ein lohnendes Beobachtungsfeld mit spannenden Wahlkämpfen ist.

Wenn «10 vor 10» digitale Wahlkämpfer sucht, knöpft man sich einen aufstrebenden und einen bereits aufgestrebten Aargauer vor: Adrian Schoop (FDP) und Cédric Wermuth (SP). Wenn die «Rundschau» eine «Hochburg der Nichtwähler» porträtiert, reist sie nach Spreitenbach.

Wenn der «Club» den «Sturm aufs Stöckli» visualisiert, präsentiert man als Erstes eine Aargau-Runde. Wenn der «Tages-Anzeiger» einen Beitrag über die Listen-Rekordflut publiziert, schmückt sie ihn mit einem Bild der «Listen-Königin aus dem Aargau», Marianne Binder (CVP).

Fairerweise gehört auch dies erwähnt: Wenn die NZZ eine Legislatur-Bilanz mit dem Titel «Nur noch peinlich» publiziert, ist niemand häufiger vertreten als der Aargau. Zu Ehren kommen Jonas Fricker mit seinem Holocaust-Vergleich, Andreas Glarner mit seinem Lehrerinnen-Pranger und Luzi Stamm mit seinen Kokain- und Falschgeldgeschichten.

Naja. In dem Fall halten wir uns an die alte Boulevard-Regel: Egal, wie man über uns spricht, Hauptsache, dass man über uns spricht. Hauptsache Aufmerksamkeit und keine graue Maus.

Themenwechsel. Der Grosse Rat tagt wieder, in beinahe atemberaubender Regelmässigkeit. Nach Auskunft von Ratspräsidentin Renata Siegrist können bis Jahresende fast alle der vorgesehenen Sitzungen durchgeführt werden.

Zwischenhoch oder Flaute-Ende? Man wird es sehen. Ins Auge stachen die emotionalen und links-rechts-polarisierten Debatten von letzter Woche zum Klimawandel und von dieser Woche zum Energiegesetz.

Ich verstehe immer noch nicht, warum Klimaschutz und Energieeffizienz linke Anliegen sein sollen. Das Bewahren der Umwelt ist doch ein konservatives Postulat. Dem Umweltartikel in der Bundesverfassung, initiiert durch den Aargauer Julius Binder, stimmten 1971 93 Prozent der Bevölkerung zu!

Warum behaupten Rechtspolitiker trotz erdrückender Beweislage stur, der Klimawandel sei eine Meinung, nicht eine Tatsache? Wollen sie ihrer Klientel einfach nichts zumuten, keinen Verzicht und keine Wahrheit? Reden sie wider besseres Wissen oder wissen sie es nicht besser? Ich weiss es nicht.

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