Fahrländer

Der Renner des Sommerlochs: Die verunglückte Namensgebung des Thermalbads

Das neue Thermalbad heisst «Fortyseven».

Das neue Thermalbad heisst «Fortyseven».

Klarer Spitzenreiter bei den Leserbriefen im Sommerloch des Coronajahres 2020: Forty­seven! Über die verunglückte Namensgebung für das neue Badener Thermalbad wurde schon fast alles gesagt. Zur Ergänzung noch dies: Die Temperaturangabe von 47 Grad für das aus dem Boden sprudelnde Thermalwasser – angeblich so Baden-typisch, dass man daraus eine Marke bilden kann – ist ziemlich shaky.

Markus Somm zum Beispiel schreibt in seiner kürzlich erschienenen Dissertation über Badens Wandel vom Kurort zur Elektropolis, das Thermalwasser sei «zwischen 42 und 48 Grad» warm. Bei Wikipedia steht, das Wasser der rund 20 Quellen sei «durchschnittlich 46,6 Grad» warm.

Doch «about fortyseven» tönt halt nicht so knackig. Überdies sind heisse 47 Grad für Badende gar nicht erlebbar («bebadbar»). Wie soll sich ein Wert als «Brand» in mein Bewusstsein einbrennen, der weder präzise noch erlebbar ist? Es gibt für Fortyseven nur eine Lösung: canceln!

So sieht «Fortyseven» innen und aussen aus:

Ein anderes Thema, schon etwas politischer, muss erst noch beweisen, dass es das Sommerloch überdauert: Mitglieder einer Gemeinde-Exekutive sollen von der Mitgliedschaft im Grossen Rat ausgeschlossen werden. Das Bundesgericht hat einen entsprechenden Entscheid aus dem Kanton Neuenburg bestätigt.

Im Aargau bewerben sich gerade die Oberhäupter grösserer Zentrumsgemeinden gerne um einen Grossratssitz. Lenzburgs Daniel Mosimann, Wettingens Roland Kuster, Wohlens Arsène Perroud oder Zofingens Hans-Ruedi Hottiger sind schon drin und möchten es bleiben.

Rheinfeldens Franco Mazzi war drin, geht jetzt aber raus, Aaraus Hanspeter Hilfiker, Badens Markus Schneider oder Muris Hans-Peter Budmiger möchten neu rein. Sie widmen ja ihr Leben ohnehin weitgehend der Politik.

Nun, alle Grossratsmitglieder wohnen ja in einer Gemeinde. Und alle vertreten Interessen. Natürlich gibt es Geschäfte, wo Kantons- und Gemeindeinteressen divergieren. Aber dass Gemeinderäte rücksichtslos und erfolgreich ihre Macht gegen Kantonsinteressen ausgespielt hätten, solches ist in der jüngeren Aargauer Geschichte nicht aktenkundig. Zeigt man ihnen die rote Karte, geht viel politisches Know-how im Kanton verloren. Das Verdikt aus ­Neuenburg, bestätigt durch «Lausanne», erscheint mir allzu puritanisch.

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