Fahrländer

Die beiden Rehmann: Ein Schaffen, das von einer tiefen Ethik geprägt ist

Corona-Zeiten sind auch Zeiten des Wiederlesens dicker Bücher. In diesem Fall sind es sogar drei dicke Bücher, insgesamt fast 1000 Seiten: Wieder aus dem Regal gezogen habe ich «Memesis», eine eindrückliche Schaffensbilanz in Wort und Bild, welche 2011 zum 90. Geburtstag des international erfolgreichen Laufenburger Künstlers Erwin Rehmann erschienen ist.

In Laufenburg, direkt am Rhein, ist dem Bildhauer und Eisenplastiker ein eigenes Museum mit Atelier und Skulpturengarten gewidmet. Erzähler der reichen Lebensgeschichte ist Erwin Rehmann selber.

Erwin Rehmann, fotografiert im Jahr 2019. In den Händen hält er eine Plastik.

Erwin Rehmann, fotografiert im Jahr 2019. In den Händen hält er eine Plastik.

   

Am letzten Sonntag bin ich beim Schlusskapitel von «Memesis» angelangt und las unter anderem: «Anfang Januar 2011 bin ich zusammen mit unserem Museumsteam zu Christoph nach Lübeck geflogen. (...) Dass Christoph als Professor an der dortigen Universität Bioethik lehrt und damit ebenfalls neue Gewässer auslotet, erfüllt mich mit Vaterstolz. Obwohl ich die wissenschaftliche Bedeutung seiner Publikationen nur vom Ufer her beurteilen kann.»

Und am Tag darauf – Zufälle gibt’s – lese ich in dieser Zeitung ein Interview mit ebendiesem Bioethiker Christoph Rehmann. Natürlich ging’s um Corona, um ethische Fragen in Zusammenhang mit einem Impfstoff und der geforderten internationalen Solidarität bei seinem Vertrieb. Rehmann sagte wörtlich: «Als Ethiker wehre ich mich dagegen, Menschenleben gegeneinander abzuwiegen, weil jedes einzelne Menschenleben unendlichen Wert hat. Jede Person ist einzigartig und muss in ihrer Würde respektiert werden.»

Erwin Rehmann steht inzwischen in seinem 99. Lebensjahr. Zu Beginn seiner Karriere stiess er, wie jeder Pionier, der in neue künstlerische Sphären vordringt, teilweise auf Ablehnung (zu modern! zu abstrakt!). Doch dann schnellte sein Bekanntheitsgrad in die Höhe. Über 1600 Werke hat er in seinem langen Leben geschaffen, viele davon sind im öffentlichen Raum sichtbar, auch und gerade im Aargau.

Zu seinem 95. Geburtstag 2016 konnte er noch eine neue Ausstellung «Living Metals» eröffnen. Über den Ethiker Christoph Rehmann kann man nur sagen: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Denn Erwin Rehmanns Schaffen war stets geprägt von einer tiefen Ethik. Das spürt man bei jedem Werk – und auf jeder Seite von «Memesis».

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