Café Fédéral

Die Gesamtschau macht Karriere

(Symbolbild)

Die Mutter aller Gesamtschauen bleibt natürlich jene zur Agrarpolitik.

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Sie ist die Allzweckwaffe gegen nahezu jedes Problem, mit dem sich die Schweizer Politik herumschlägt: die Gesamtschau. Sie verspricht Entschlossenheit und Übersicht zugleich. Was dem Schriftsteller das Panorama, ist dem Politiker die Gesamtschau.

Sie soll alle Fakten hervorbringen und von jeder Seite beleuchten. «Auslegeordnung» nennt sich dieser Prozess auch, ein einstiger Militärjargon, der als Helvetismus längst zum nationalen Kulturgut gehört. Nur schon die Forderung nach einer Gesamtschau entfaltet ihre Wirkung. Eine Gesamtschau kann als Papiertiger mit Empfehlungen auftrumpfen oder Aktivität vortäuschen, um eine unangenehme Reform auf die lange Bank zu schieben. Sie will entwirren, verwirrt am Ende aber oft mehr.

«Ich denke, es ist wichtig, dass wir hier eine Gesamtschau haben», erklärte etwa SP-Ständerat Claude Janiak vergangene Woche in einer Ratsdebatte. Das Thema ist nebensächlich, sein Satz kann für jedes beliebige Dossier adaptiert werden.

Meist bestellt vom Parlament, hat der Bundesrat in dieser Legislatur unter anderem Gesamtschauen über politische Bildung, Sportförderung und Innovationspolitik vorgelegt. Allein: Die Mutter aller Gesamtschauen bleibt natürlich jene zur Agrarpolitik, die mehr Markt vorschlug und so Landwirte im ganzen Land zur Weissglut trieb. Sie könne nur in einer Fabrik entstanden sein, frotzelte ein Innerrhoder Bauer einmal. «Sicher nicht mit der Mistgabel in der Hand.»

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Autor

Sven Altermatt

Sven Altermatt

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