100‘000 Franken Busse und 14 Monate Stadionverbot. 21 Tage nach dem tätlichen Angriff von Sion-Präsident Christian Constantin auf Rolf Fringer gibt die Swiss Football League das Strafmass bekannt. Damit hat die SFL einen Nagel eingeschlagen: Einen vergleichbaren Vorfall gab es in der Vergangenheit nicht, in Zukunft gilt die Strafe für Constantin als Richtmass.

Aus der Portokasse

Für Laien mag es auf den ersten Blick eine harte Strafe sein. Ja, die 100‘000 Franken Busse suchen in der jüngeren Vergangenheit ihresgleichen. Doch mit dem Hintergrund, dass auf Constantin Konto über eine Milliarde Franken liegt und er die 100‘000 aus der Portokasse zahlt, ist das Finanzielle schon mal relativiert. Zum Stadionverbot: In Anbetracht dessen, dass Constantin nicht im Affekt, sondern vorsätzlich gehandelt hat, sind 14 Monate Stadionverbot mit gesundem Menschenverstand gedacht näher am Minimum denn am Maximum.

Mild oder hart?

Also doch ein mildes Urteil? Egal. Denn ob mild oder hart ist nicht relevant, solange CC Fussballfunktionär und somit Chef des FC Sion bleiben darf. Nur wenn die Swiss Football League gegenüber Constantin in den Boykott treten würde, wenn sie also jegliche Zusammenarbeit mit ihm verweigern und ihn nicht mehr als Entscheidungsträger anerkennen würde, wäre eine neue Dimension der Bestrafung erreicht.

Constantin attackiert TV-Experte Rolf Fringer vor laufender Kamera. (21. September 2017)

Unmittelbar vor der Live-Schaltung rennt Constantin Senior auf Fringer zu. Der Experte wird zwar noch gewarnt, doch just als er sich umdreht, kassiert er bereits den ersten Faustschlag. 

Die Aufgabe der SFL

Dass die SFL dies nicht tut, ist gut und wichtig: Denn mit einem Boykott würde sie mit dem Strafmass nicht nur auf Constantin, sondern genauso auf Spieler, Trainer und Fans des FC Sion zielen. Ein Profiklub FC Sion ohne Geldgeber Constantin? Unvorstellbar und unmöglich. Leiden würde in diesem Fall nicht nur CC, sondern auch die unschuldigen Spieler, Trainer und Fans der Walliser. Und es käme mit dem Zerfall des FC Sion auch zur Verfälschung der Meisterschaft. All dies zu verhindern, war neben der Bestrafung für die Einzelperson Constantin ebenso die Aufgabe der SFL.

Das sagt Christian Constantin zu seinem Angriff auf Rolf Fringer (22. September 2017)

Christian Constantin, Präsident des FC Sion, ging am Donnerstagabend kurz nach dem Abpfiff des Spiels zwischen Sion und Lugano auf den ehemaligen Nati-Trainer und Teleclub-Experten Rolf Fringer los. Seinen Aussagen zufolge kritisierte ihn Fringer zu stark. Seine Reaktion sei typisch “walliserisch” gewesen. Am Freitagnachmittag äusserte sich Constantin in Martigny vor den Medien zum Vorfall.

Strafrechtliche Konsequenzen

Was CC angeht: Die Bestrafung von Seite der SFL mag er mit einem Lächeln quittieren. Mehr Sorgen dürften ihm die strafrechtliche Aufarbeitung des Falls bereiten, ihm droht die Besudelung seines Ansehens als globaler Geschäftsmann. Rolf Fringer hat angekündigt, Strafanzeige wegen Körperverletzung einzureichen – alles andere als eine Verurteilung von Constantin auch auf strafrechtlicher Ebene ist eigentlich undenkbar.

Constantin: «Ich habe ihn geschlagen und in den Hintern getreten» (21. September 2017)