Syngenta-Verkauf

Ein neuer Knaller

Die Übernahme von Syngenta durch ChemChina scheint auf den ersten Blick eine vorteilhafte Sache zu sein: Vertraglich zugesicherte Autonomie, kein Stellenabbau, langfristige Perspektiven. Doch der Deal ist noch nicht im Trockenen. Es warten Fallstricke.

Fast auf den Tag genau vor 20 Jahren kam es in Basel zum grossen Knall: Sandoz und Ciba fusionierten. Jetzt knallt es wieder: Syngenta, vormals zu Novartis gehörend, soll von einem chinesischen Chemiegiganten aufgekauft werden.

Beide Deals sind Superlative: Novartis war damals die grösste Fusion überhaupt, Syngenta ist die bislang grösste Übernahme eines Agrokonzerns. Aber dann ist es vorbei mit den Ähnlichkeiten.

Novartis war eine Fusion «unter Gleichen», beim Aufkauf von Syngenta, so er dann wirklich zustande kommt, ist das Gegenteil der Fall: auf der einen Seite ein relativ unbekannter chinesischer Staatskonzern, auf der anderen ein schweizerisch-britischer Agromulti. Ungleicher geht’s nicht.

Im Vergleich zur Fusion mit der US-Firma Monsanto, die vergeblich um die Gunst des Syngenta-Verwaltungsrates buhlte, dürfte die präsentierte Variante wesentlich besser sein. Es ist kein fauler Steuertrick und eine folgende Abbauschlacht auszumachen. Im Gegenteil, es wurde eine langfristige Perspektive versprochen, abgesichert durch einen Vertag, der Syngenta grosse Autonomie zusichert.

Doch es gibt zwei Haken: Der abgeschlossene Vertrag zwischen Syngenta und Chem China hat eine Laufzeit von gerade mal fünf Jahren. Was danach geschieht, ist, zumindest formell, ungewiss.

Das zweite Problem: Der Deal ist noch nicht im Trockenen. Die verschmähte Monsanto oder ein anderer Konkurrent könnte Störmanöver anzetteln. Und die US-Übernahmebehörde könnte plötzlich auch ihren Einfluss geltend machen.

stefan.schuppli@azmedien.ch

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