Vor drei Jahren verzichtete die FDP im Aargau auf eine Kandidatur für den freien Sitz im Regierungsrat. Die Freisinnigen empfahlen SVP-Frau Franziska Roth. Man müsse «diese Kröte schlucken», hiess es damals. Es war Parteiraison, die Freisinnigen unterstützten Roth, um die SVP als Partnerin im Grossen Rat nicht zu verärgern.

Im Herbst stellt die FDP mit Jeanine Glarner nun eine eigene Kandidatin für den vakanten Roth-Sitz. Auf die Unterstützung der SVP, sozusagen als Gegengeschäft für die Empfehlung der Freisinnigen vor drei Jahren, kann Glarner aber nicht zählen. Die Volkspartei stellt mit Jean-Pierre Gallati selber auch einen Kandidaten.

Auch der Gewerbeverband gibt keine Empfehlung für Glarner ab, sondern unterstützt Gallati. Nur der SVP-Kandidat erfüllt alle Bedingungen, die der Verband im Voraus für eine Unterstützung festgelegt hat: Unternehmer in Führungsposition, Mitglied einer bürgerlichen Partei und eines Gewerbevereins, der dem Verband angehört.

Bei den Regierungsratswahlen resultiert so eine Empfehlung für einen Sitz. Anders bei den Ständeratswahlen: Da empfiehlt der Gewerbeverband mit Marianne Binder, Thierry Burkart und Hansjörg Knecht drei Personen für zwei Sitze. Dasselbe tut die Handelskammer, die mit Gallati und Glarner zwei Bewerber für einen Regierungssitz unterstützt. Ob eine solche Empfehlung der Wählerschaft viel bringt, ist zumindest fragwürdig.

fabian.haegler@chmedia.ch