Apropos

Es lebe die Empörungsliteratur

Dieses Bild von Robert Walser sorgte in den Sozialen Medien für einen Shitstorm.

Dieses Bild von Robert Walser sorgte in den Sozialen Medien für einen Shitstorm.

Echt jetzt? Die Bebilderung eines Hintergrundartikels zu zwei neuen Gesamtausgaben zu Robert Walser in der «Schweiz am Wochenende» sorgte auf Social Media für einen (kleinen) Shitstorm. Zu sehen war das ikonische Bild von Robert Walsers Tod.

Was für ein schöneres Ableben gibt es, als auf einem Spaziergang im Schnee umzufallen? Hat die Literaturszene ein so verkrampftes Verhältnis zum Tod? Oder denkt sie in festgefahrenen Axiomen: «Den Tod zeigt man nicht», «Von einem verstorbenen Schriftsteller kramt man alles hervor, notfalls auch gegen dessen Willen», «Eine Gesamtausgabe gehört gedruckt in den Schuber», «Gesamteditionen sind der Berufsstolz des Fachs», «Das Internet ist des Teufels», die Medien sind es sowieso?

Aber hurra, wir haben eine Debatte! Bloss, dass sie auf dem falschen Gleis spielt. Es lebe die Oberfläche, es lebe die Empörungskultur! Den Artikel selbst braucht man dabei nicht zu lesen. Sonst könnte man nämlich ein relevanteres Debattenthema herausfiltern: Wie man mehrere Millionen Franken für editorische Grossprojekte im digitalen Umbruch am sinnvollsten einsetzt — aber das infrage zu stellen, scheint eine heilige Kuh zu sein.

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