Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Regierung eines ihrer Mitglieder in die Schranken weist. So geschehen aber in Mellingen, nachdem der offenbar alkoholisierte Gemeinderat Beat Gomes (parteilos) bei seiner Fasnachtseröffnungsrede für Empörung sorgte.

«Der Gemeinderat missbilligt das ungebührliche Verhalten eines Gemeinderates an einem öffentlichen Auftritt ausdrücklich und bedauert, dass der Anlass durch den missglückten Auftritt von Beat Gomes getrübt wurde.» Die deutliche Wortwahl zeigt: Anders als Gomes – «ich habe nur ein wenig das Kalb gemacht» – stuft der Gemeinderat den Vorfall als Zitat «Fehlverhalten» ein.

Nun: Gomes wird seine Lehren aus dem Auftritt ziehen. Im Idealfall wird bei ihm das Bewusstsein reifen, dass man als Gemeinderat bei öffentlichen Auftritten immer als Amtsträger wahrgenommen wird und sich auch als ein solcher aufführen sollte. Dass gerade Neo-Gemeinderat Gomes in die «Fasnachtsfalle» tappte, passt aber irgendwie ins Bild. So scheint es, als sei der 65-Jährige noch nicht ganz im Amt angekommen.

Denn viel bedenklicher als seine närrische Ansprache ist der Umstand, dass der ehemalige Redaktor des «Reussboten» bis vor kurzem – und bereits im Amt – über das politische Geschehen in und um Mellingen schrieb.

Eigentlich ein absolutes No Go, sollten sich Journalisten doch durch Unabhängigkeit auszeichnen. Das ist bei einem Gemeinderat, der über seine eigene Gemeinde schreibt, ganz sicher nicht der Fall. Wenn man also von «Fehlverhalten» spricht, dann ist dieses vor allem in diesem Punkt zu orten.