Kommentar

Fische sterben leise und fast unsichtbar

Nur rund zehn Prozent der Aale aus dem Bodensee kommen bei ihrer Wanderung rheinabwärts lebend in Basel an.

Nur rund zehn Prozent der Aale aus dem Bodensee kommen bei ihrer Wanderung rheinabwärts lebend in Basel an.

Beim Kraftwerk Wildegg-Brugg werden Fische erfasst, um eine Lösung zu finden, wie sie von den tödlichen Turbinen fernzuhalten sind. Der Kommentar

Wenn in Australien zahllose Koala-bären und Kängurus bei Buschbränden verletzt werden, löst dies eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Die herzigen Koalas und die weltbekannten Beuteltiere werden von Privat- personen gepflegt, gefüttert und aufgepäppelt, ihr Schicksal in Fernsehbeiträgen und Dokumentationen gezeigt. Die Bilder der leidenden Tiere, die in den Flammen schwer verletzt werden, gehen ans Herz.

Bei den Aalen im Rhein ist das anders: Fische können nicht schreien, zudem bemerkt kaum jemand, wenn sie in den Turbinen von Kraftwerken sterben. Doch wer die Bilder der zerhackten Aale sieht, die vom Fischereiverband und von Gewässerschützern verbreitet wurden, erhält einen Eindruck davon, wie die Fische leiden. Und auch die Zahlen sind traurig: Nur gerade zehn Prozent der Aale, die vom Bodensee flussabwärts schwimmen, kommen lebend in Basel an.

Lässt sich das Massensterben der Fische in den Turbinen nicht verhindern? Seit 2011 ist ein Gesetz in Kraft, das vorschreibt, dass alle Kraftwerke bis ins Jahr 2030 fischgängig sein müssen. Fischer und Gewässerschützer kritisieren, die Kraftwerkbetreiber hätten zu wenig getan. Doch es fehlt weder an Willen noch an Geld. Schon seit 2011 laufen Forschungsprojekte, seit 2019 eine Pilotstudie, beides finanziert aus dem Stromübertragungsfonds. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, warum es so lange dauert, eine Lösung zu finden, um die Aale von den Turbinen fernzuhalten.

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