Ein Funktionär einer Schweizer Behörde, die mit der Beschaffung neuer Kampfjets zu tun hat, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Er, der sich selbst als kleines und unbedeutendes Rädchen im grossen Getriebe bezeichnet, wurde über Nacht zum gefragten Mann. «Lobbyisten, die mich bisher nicht mit dem Hintern grüssten, sind plötzlich stinkfreundlich.»

Das ist ein untrügliches Zeichen: Es lockt der Honigtopf. Es geht langsam, aber sicher ums Eingemachte bei der Kampfjetbeschaffung. Die fünf Hersteller im Rennen um den schönen Preis von 6 oder 7 Milliarden Franken sind zu einer Art Bodenoffensive übergegangen. Diese scheint fast mindestens so wichtig wie die Flugtests, die ab April starten.

Es sind mandatierte Lobbyisten und Informationshändler zugange in Bern und solche, die es zu werden hoffen. Wer das Glück hat, eine Insiderinformation aufzuschnappen, kann sie womöglich einem Hersteller oder einem Zwischenhändler verkaufen oder verrechnen. Es geht nicht nur um die 6 oder 7 Milliarden für den Jet, sondern um die gleiche Summe für die Gegengeschäfte. Ein ganz schön grosser Kuchen mit vielen Stücken, insgesamt.

Aber Schweizer Beschaffungsbehörden, seit dem Gripen-Debakel gebrannte Kinder, reagieren neuerdings teils offen hässig auf Annäherungsversuche. Einladungen wie jene zum Golfspiel, die er auch noch erhielt, machen besagten Funktionär so richtig stinkig. Und bereits liegt die Drohung von Behörden in der Luft, unmoralische Angebote systematisch öffentlich zu machen.

Wenn das wirklich der Tarif ist, der unter der neuen Verteidigungsministerin gilt, dann ist schon viel gewonnen.

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