Kommentar

Grösste Aargauer Gemeinde: Die Zurzibieter Grossfusion ist ein Vorbild für andere Regionen

Daniel Weissenbrunner

Acht von neun Zurzibieter Gemeinden haben dem Fusionsprojekt Rheintal+ zugestimmt. Der Kommentar.

Wer im Aargau vom Zurzibiet spricht, dem kommen die Störmeldungen der Atomkraftwerke Leibstadt und Beznau oder die Staus am Grenzübergang nach Deutschland in den Sinn. Dem nördlichsten Teil des Kantons haftet in der öffentlichen Wahrnehmung ein wenig schmeichelhaftes Image an. Und nach innen kämpft das Gebiet mit den strukturellen Sorgen einer Randregion. Das gilt speziell für das Zurzibieter Rheintal. Um die Probleme in Griff zu bekommen, haben sich acht Gemeinden nun zur Gemeinde Zurzach zusammengeschlossen.

Die Verantwortlichen haben es geschafft, ihren Bürgerinnen und Bürgern die Ängste vor einem Identitätsverlust, weniger Mitspracherecht und weniger Selbstbestimmung zu nehmen und sie vom Nutzen einer gemeinsamen Zukunft zu überzeugen. Das verdient Respekt. Den Fusionsmachern ist gelungen, was in vielen anderen Gemeinden im Aargau kläglich gescheitert ist. Man hat sich zusammengerauft und die eigenen Interessen in den Dienst der Sache gestellt.

Es wäre allerdings naiv, die Fusion als Allerheilmittel zu verkaufen. Studien zeigen, dass Gemeindeheiraten nicht zwingend den erwünschten Effekt mit sich bringen – vor allem finanziell. Dessen sollten sich auch die Architekten der Zurzibieter Grossfusion bewusst sein. Damit sich in der neuen Gemeinde der Handlungsspielraum vergrössern kann, bedarf es einer professionellen Verwaltung, die weiterhin die Nähe zur Bevölkerung pflegt. Zurzach wird zwar neu zur flächenmässig grössten Gemeinde im Aargau. Doch Grösse allein garantiert noch keine sorgenfreie Zukunft.

daniel.weissenbrunner@chmedia.ch

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Daniel Weissenbrunner

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