Flüchtlinge

Hart an der Grenze

Flüchtlinge im Grenz-Camp in Como, Italien, fordern von der Schweiz: Öffnet die Grenzen!

Flüchtlinge im Grenz-Camp in Como, Italien, fordern von der Schweiz: Öffnet die Grenzen!

Immer mehr Faktoren sprechen dafür, dass die Schweiz zum Transitland für Flüchtlinge geworden ist: Die Zahlen der Menschen, die in den Sommermonaten im Tessin um Einlass in die Schweiz baten, sind zwar zunächst stark angestiegen. Da die meisten von ihnen aber gar nicht in der Schweiz bleiben wollten, konnten die Schweizer Grenzwächter sie auf direktem Weg zurück nach Italien schicken – wo Hunderte in Städten wie Como strandeten. Auch diejenigen, die unbemerkt durch die Schweiz reisten oder während des Asylprozesses abtauchten und nach Deutschland weiterzogen, entlasteten das Schweizer Asylsystem.

Aus einer nationalen, etwas egoistischen Perspektive ist das gut. Das erklärt auch, warum unter involvierten Behörden derzeit fast nur Zufriedenheit herrscht. Kritische Töne sind rar. Abgesehen von Flüchtlingsorganisationen und linken Politikern stört sich kaum jemand am harten Grenzregime, das die Schweiz aufgezogen hat. Sogar der deutsche Innenminister, der die Transitflüchtlinge aus der Schweiz nun unterbringen muss, lobte die Schweiz, die halt ihr Mögliches tue. Und im Bundesrat ist man froh, dass die Asylbehörde im Departement Sommaruga nicht steigende Asylzahlen melden muss.

Trotzdem bleiben ein paar Fragen ungeklärt: Hält sich das Grenzwachtkorps ganz an die Vorgaben? Was ist an den von Flüchtlingsorganisationen erhobenen Vorwürfen wahr, die Schweiz verhindere manchen Flüchtlingen den Zugang zum Asylverfahren? Das Grenzwachtkorps dementiert seit Tagen, will sich den Vorwürfen aber nicht vertieft stellen. Das ist nur schwer zu akzeptieren.

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