Scheidet das Vereinigte Königreich Ende März aus der Europäischen Union aus, entsteht zwischen Irland und Nordirland eine EU-Aussengrenze. Irland gehörte weiterhin dazu, während Nordirland mit England, Schottland und Wales die Union verliesse. Kommt es zum Brexit ohne Scheidungsvertrag, wird es heikel: Da die Nordiren über Nacht nicht mehr Teil der Zollunion wären, Irland dagegen schon, wären Kontrollen an den rund 300 Grenzübergängen wohl unumgänglich. Die unsichtbare Grenze, beschlossen im «Good Friday»-Abkommen von 1998 und seither Garant für Frieden in der Ex-Bürgerkriegsregion, wäre Geschichte.

Verhindert werden sollte dieses Szenario durch einen Kompromiss namens «Backstop»: Das gesamte Königreich sollte so lange in der Zollunion bleiben, bis eine Lösung der Irland-Frage auf dem Tisch liegt. Brüssel besteht weiterhin auf dieser Lösung, während London nachverhandeln will. Doch was genau die Briten wollen, ist bis heute unklar.

Die Europäische Union setzt ihre Interessen gegenüber der Regierung in London mit ungewohnter Vehemenz durch, denn für sie geht es auch darum, den Binnenmarkt geschlossen zu halten. Dass in Brüssel niemand bereit ist, von der eigenen, sehr einheitlichen Position abzurücken, solange in London Ratlosigkeit herrscht, kann nicht wirklich verwundern.

Je näher allerdings der Austrittstermin (29. 3.) rückt, desto grösser wird der Druck, einen Kompromiss zu finden. Und sei es zunächst mal ein Aufschub des Termins. Die Briten, die sich mit dem Brexit die Kontrolle über ihre politischen Belange zurückholen wollten, werden in der Folge nicht umhinkommen, eine einheitliche Position in der Irland-Frage zu formulieren. Dann wird sich aber auch Brüssel schwerlich Nachverhandlungen verweigern können. Eine zeitliche Begrenzung des Backstop etwa würde jenen Brexit-Hardlinern den Wind aus den Segeln nehmen, die fürchten, auf ewig in der Zollunion bleiben zu müssen.

Letztlich steht zu viel auf dem Spiel, um starrköpfig zu bleiben. Das gilt vor allem in Sachen inneririscher Grenze. Denn hier geht es um nichts weniger als um den Frieden.

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