Der Februar zeigt sich frühlingshaft. So warm ist es zuweilen, dass man bei Spaziergängen entlang der Aare bereits erste Heissblüter sieht, die sich im Adamskostüm in die Fluten stürzen und dort vergnüglich planschen.

Dabei sollte es jetzt doch kalt sein. Winterliches Frieren wäre angesagt, nicht fröhliches Baden im Fluss. Doch die Kälte muss man sich dieser Tage suchen. Gefunden habe ich sie am Sonntagabend in der Aarauer Reithalle. Dort spielt derzeit ein Kollektiv aus jungen Schauspielern und Musikern eine moderne Adaption von Franz Schuberts «Winterreise».

Sie schlüpfen in sargartige Kokons und spielen klirrende Klänge auf Wassergläsern. Sie singen von düsteren Wanderungen in eisigen Höhen. Sie schweben unbesorgt am Trapez über dem wuselnden Chaos des aufgebauten Flüchtlingslagers und zeigen den Leidenden am Grund die kalte Schulter. Sie spielen ein Hohelied auf die frostigen Winde, die einem auf dem Weg durchs Leben zuweilen entgegenschlagen.

Und als Zuschauer sitzt man da, eingewickelt in Militärwolldecken, händereibend, den Nachbarn beneidend, der von den Schauspielern einen heissen Tee in die Hand gedrückt erhält und der selber nicht recht weiss, ob er jetzt teilen oder den wärmenden Becher ganz für sich behalten soll.

Wer – wie ich – die Kälte in diesem warmen Winter vermisst, der begebe sich auf die «Winterreise». Für den 24. Februar gibts noch Tickets. Das Frieren lohnt sich.