Alain Berset – Jean-François Steiert – Christian Levrat: Diese Generation von Ausnahmepolitikern hat die SP im konservativen Freiburg zu einer Macht gemacht. Berset ist Bundesrat, Steiert Staatsrat und was wird mit Levrat? Der Parteipräsident und Ständerat steht vor einer schwierigen Entscheidung. «Kehrt er Bern den Rücken», wie der «Tages-Anzeiger» getitelt hat?

In Freiburg findet im März eine Ersatzwahl statt. Die grüne Staatsrätin Marie Garnier ist diese Woche unter Druck zurückgetreten. Die SP möchte den Sitz beerben und muss mit harter Konkurrenz aus dem Mitte-Rechts-Lager rechnen. Die Ersatzwahl soll zu einer Richtungswahl werden. Levrat wäre für die SP der aussichtsreichste Kandidat. Denn im Schatten des Ausnahmetrios ist wenig an Talenten nachgewachsen.

Ob Levrat kandidiert? Fragen blockt er ab. Die Ausgangslage ist schwierig. Nach 15 Jahren im Bundesparlament und 10 Jahren als Parteipräsident wäre eine Wahl in die Freiburger Regierung ein würdevoller Abgang aus Bundesbern. Nur gibt es zwei Probleme. Das erste sind die Frauen. Die SP müsste einen neuen Chef suchen. Eineinhalb Jahre vor den eidgenössischen Wahlen wäre das zwar nicht optimal, aber machbar. Ein neuer Präsident könnte der Partei neuen Schub verleihen. Nur hat die Partei erst kürzlich beschlossen, dass entweder das Fraktions- oder Parteipräsidium in Frauenhand sein soll. Bekommt Levrat keine Nachfolgerin, hätte die SP ein gröberes Glaubwürdigkeitsproblem. Allerdings sind die potenziellen Nachfolgerinnen rar. Aussichtsreichste Kandidatin ist Co-Generalsekretärin Flavia Wasserfallen. Sie wird aber erst im nächsten Frühling in den Nationalrat nachrücken.

Noch schwerer wiegt das Ständeratsproblem. Würde Levrat tatsächlich in die Regierung gewählt, riskiert die SP den Ständeratssitz zu verlieren. Dem Vernehmen nach sieht sich der Freiburger SVP-Nationalrat Jean-François Rime in diesen Tagen bereits als Levrats Nachfolger in der kleinen Kammer. Das Stöckli wurde von der SP lange verachtet. Mittlerweile ist die Partei dort aber derart stark, dass sie mit der CVP eine Mehrheit bilden und die SVP-FDP-Dominanz im Nationalrat aushebeln kann.

Partir ou rester? Derzeit spricht mehr dafür, dass Levrat Bundesbern erhalten bleibt.