Fahrländer

Listenkönigin: Es hat sich gelohnt

Siegerin im Interview: Marianne Binder (CVP) hat die Wende zum Erfolg geschafft.

Siegerin im Interview: Marianne Binder (CVP) hat die Wende zum Erfolg geschafft.

Als CVP-Kantonalpräsidentin Marianne Binder im Frühsommer den Aargau mit der Ankündigung von neun Nationalratslisten und über 120 Kandidierenden überraschte, schrieb ich in einer Kolumne: Es zeuge von bewundernswerter Loyalität, dass sich so viele Menschen als Listenfüller zur Verfügung stellten, damit es vorneweg (maximal) zwei Topkandidatinnen nach Bern schafften. Marianne Binder reagierte heftig: Es gehe bei dieser Taktik nicht um die Spitzenkandidatinnen und schon gar nicht um sie selber. Es gehe allein um das Wohl der Partei, dass sie, wenn möglich, den Wähleranteil steigern könne.

Der Wahlsonntag hat gezeigt: Wir hatten beide recht. 125 von 127 CVP-Kandidierenden hatten nicht den Hauch einer Chance, erreichten zum Teil kaum einen Zwanzigstel der für eine Wahl notwendigen Stimmen. Aber zwei haben es geschafft, neben der Bisherigen Ruth Humbel auch Binder. Das Ziel ist erreicht, der Wähleranteil gesteigert. Der Zweck heiligt die Mittel. Das Wohl der Präsidentin, die die Taktik vorgab, und das Wohl der Partei sind kongruent. Wir gratulieren. Damit sind auch die 125 Chancenlosen zufrieden. Natürlich verhalfen der CVP auch viele «verbundene» GLP-Listen zum Erfolg. Und der Präsidentin viele Panaschierstimmen
aus anderen Parteien zur Wahl.

Zurück bleibt ein Fragezeichen: Wenn nun das «Labor-Experiment der CVP im Aargau» (Politikberater Mark Balsiger) Schule macht, haben wir dann in vier Jahren 60 statt 36 Listen? Wo ist das Ende dieser Entwicklung? Sinkt dann die Wahlbeteiligung noch weiter, weil Nicht-Politikaffine den Durchblick vollends verlieren?

Noch etwas schrieb ich im Sommer: Den fünften Regierungssitz müsste
eigentlich eine Frau erobern, eine reine Männerregierung sei im 21. Jahrhundert ein Anachronismus. Heute wissen wir: Das wird sehr schwer. «Gallati gegen Feri», lautet die Affiche in vier Wochen. Politik in Urform sozusagen: Rechts gegen links, Mann gegen Frau. Kenntnisse im Gesundheitswesen und politische Erfahrung haben beide. Jean-Pierre Gallati, der Mann mit der klar grössten Hausmacht, ist durch SP-Frau Yvonne Feri nur zu schlagen, wenn Mitte-Links stark mobilisiert. Und wenn die Mitte mehrheitlich dem SVP-Mann die Gefolgschaft verweigert. Ob das gelingt? Im Aargau wohl doch eher nicht.

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