Kommentar

Maya Bally und Michael Notter wechseln zur CVP: Letzte Chance zum Absprung genutzt

Fabian Hägler
Maya Bally und Michael Notter sehen ihre politische Zukunft bei der CVP.

Maya Bally und Michael Notter sehen ihre politische Zukunft bei der CVP.

Der Parteiwechsel der beiden Politiker Maya Bally und Michael Notter ist für die Wähler nachvollziehbar. Gleichzeitig zeigt er das Problem der BDP auf.

Wenn ein Politiker ein halbes Jahr vor den Wahlen die Partei wechselt, sorgt das normalerweise für Unmut. Fahnenflüchtige, die ihrer Partei den Rücken kehren und zur Konkurrenz wechseln, werden oft als unglaub- würdig und egoistisch kritisiert. Der Vorwurf, der dann aufkommt: Es gehe nur darum, die eigenen Wahlchancen zu erhöhen, die politischen Positionen spielten kaum eine Rolle. Zudem werde der Wählerwille missachtet, denn die Politiker seien als Vertreter ihrer Partei gewählt worden.

Im aktuellen Fall im Aargau trifft nur der erste Teil des Vorwurfs zu. Maya Bally und Michael Notter steigern mit ihrem Wechsel von der serbelnden BDP zur zuletzt erstarkten CVP ihre Wahlchancen zweifellos. Doch politischen Verrat begehen die zwei Grossratsmitglieder nicht. Die Positionen von BDP und CVP sind so ähnlich, dass ein Parteiwechsel höchstens marginale Änderungen in der politischen Ausrichtung mit sich bringt.

Das macht den Wechsel von ­Bally und Notter für die Wähler nachvollziehbar und verständlich. Sie haben die letzte Chance zum Absprung genutzt, um weiter im Grossen Rat vertreten zu sein. Die politische Nähe zur CVP und der harmonische Parteiwechsel zeigen aber auch das Dilemma der BDP auf: Ihr fehlt ein Profil, das sie von anderen Mitteparteien abhebt und der Wählerschaft zeigt, warum es sie braucht. So dürfte der Verzicht auf eine eigene Liste bei den Grossratswahlen nur der letzte Schritt vor der Auflösung der BDP Aargau sein.

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