Kommentar

Merkel legt die Deutschen an die Leine – und verspielt immer mehr Vertrauen

Fabian Hock
Maske auf: Bundeskanzlerin Angela Merkel verschärft die Coronamassnahmen in Deutschland.

Maske auf: Bundeskanzlerin Angela Merkel verschärft die Coronamassnahmen in Deutschland.

Kanzlerin und Länderchefs haben schärfere Pandemie-Massnahmen für Deutschland beschlossen. In Hotspots dürfen sich die Menschen nur noch 15 Kilometer von ihrem Wohnort entfernen. Was für eine absurde Massnahme. Es ist nicht der einzige Fehltritt der Regierung.

Jetzt legt die Kanzlerin die Deutschen also an die Leine. An die «Coronaleine», um genauer zu sein. Bürger in Virus-Hotspots sollen sich nur noch in einem Radius von 15 Kilometern um ihren Wohnort bewegen dürfen. Dies betrifft Landkreise mit einer 7-Tage-Inzidenz von über 200 Infektionen pro 100'000 Einwohner. Darauf verständigten sich Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer am Dienstag.

So richtig einleuchten will die Massnahme nicht. Völlig unklar ist auch, wie die Bewegungsbeschränkung kontrolliert werden soll. Wie wird nachgemessen, ob sich der oder die Angeleinte nun 14, 15 oder 18 Kilometer vom Zuhause entfernt hat? Mit dem Routenplaner auf Google Maps?

Bislang ertrugen die Deutschen die Coronamassnahmen der Bundesregierung und des jeweiligen Bundeslandes – mit Ausnahmen – recht stoisch. Doch das Vertrauen in die Politik sinkt. Das hat mit augenscheinlich erratischen Massnahmen zu tun wie der Coronaleine. Und noch viel mehr mit dem Impf-Desaster, an dem die deutsche Kanzlerin durchaus einen Anteil hat.

Zu wenig, zu spät und beim Falschen bestellt

Merkel hatte darauf gedrängt, die Beschaffung des heiss ersehnten Covid-Vakzins der EU-Kommission zu überlassen. Unter der Leitung der Merkel-Vertrauten Ursula von der Leyen vermasselte die Behörde dies jedoch gründlich. Bestellt wurde zu wenig, zu spät und bei den falschen Herstellern: Unter anderem beim französischen Sanofi-Konzern, der massiv hinter Pfizer/Biontech herhinkt. Dass das Biontech-Mittel in Deutschland entwickelt wurde, und die Bevölkerung nun zuschaut, wie Menschen in Israel, Grossbritannien und Bahrain am Fliessband geimpft werden, in Deutschland selbst aber zu wenig vorhanden ist, treibt viele auf die Palme.

So gut die Merkel-Regierung die erste Coronawelle meisterte, so hilf- und machtlos wirkt sie während der zweiten. Der mangelhafte Impfstart ist der vorläufige Tiefpunkt. Massnahmen wie die Coronaleine lassen die Menschen nur noch heftiger mit den Köpfen schütteln. Dem Schulterschluss, den Merkel zur Bewältigung der Krise gern beschwört, ist das alles andere als zuträglich.

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Fabian Hock

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