Kolumne

Peach Weber an Köppel, Somm und Konsorten: Hören Sie auf, die «Klima-Jugend» lächerlich zu machen!

Greta Thunberg (Mitte), hier an einer Klimademonstration Ende März in Berlin.

Peach Weber schreibt in seiner Kolumne über unsere Einstellung gegenüber der Klimaerwärmung. Und er hat einen Wunsch.

Das ist die neue Gretchen-Frage. Das Mädchen, über dessen Bewegung intelligente Menschen beschämt nachdenken und einfältige Politblindgänger sich lustig machen, es verspotten als dummes schwedisches Mädchen, um von ihrer eigenen Unfähigkeit abzulenken. Aber bleiben wir sachlich, das ist ja meine Kernkompetenz, (Smiley zwinkerzwinker). Denken wir die zwei extremen Modelle einmal durch und zwar auf einen ganz einfachen Nenner gebracht. Nicht etwa, weil ich Ihnen, lieber Leser, wenig Grips zumute, nein, der oft angeführte «Fachkräftemangel» scheint mir eher in der Politik am grössten.

Also, Hirn gespitzt? Die zwei extremen Positionen: auf der einen Seite die sogenannten «Klimaleugner». Diese bestreiten, dass der Mensch irgendeinen Einfluss auf das Klima hat. Angeführt werden sie in der Schweiz von ein paar politischen und journalistischen Koryphäen, ich brauche die Namen nicht zu nennen. Internationales Idol: Superhirn Trump. Die Klimaveränderung, die von beiden Seiten nicht geleugnet werden kann, da sie wissenschaftlich bewiesen ist, die führen sie auf normale Schwankungen im Lauf der Jahrhunderte zurück. Und sie sehen keine Veranlassung, unser Verhalten zu ändern. Da wäre natürlich jeder von uns gerne dabei, denn Einschränkungen hat niemand gern. Sie werfen der Gegenseite vor, vor allem den Jungen, die jetzt auf die Strasse gehen, sie seien nichtsnutzige Schulschwänzer und würden ja auch mit den Billigfliegern herumdüsen.

Auf der anderen Seite die sogenannten «Klimahysteriker», die der menschlichen Tätigkeit auf dieser Erde die grösste Schuld geben und sofortige, griffige Gesetze fordern. Da lacht sich die Gegenseite kaputt und sagt: Der Markt wird das schon richten. Was für ein hirnverbrannter Unsinn! Der Markt hätte nie von selber den Katalysator eingeführt oder das FCKW abgeschafft. Das tat die Industrie erst, als es Verbote und Gesetze der Politik gab. Hat da jemand seinen Job verloren? Nein, es wurden einfach andere geschaffen. Aber werden wir wieder etwas sachlicher. Ich wollte ja die zwei extremen Seiten einfach weiterdenken, um aufzuzeigen, ob es möglicherweise gescheiter ist, der einen oder anderen Seite zu glauben. Glauben wir mal der ersten Seite und tun nichts. Sollte sich in 30 Jahren herausstellen, dass nichts Schlimmes passiert ist, könnten wir uns gegenseitig auf die Schultern klopfen und dazu gratulieren, dass wir es ja schon immer gesagt hätten. Sollte sich in 30 Jahren aber erweisen, dass Schlimmes passiert ist und der Mensch wirklich auf massive existenzielle Probleme zuläuft, haben wir wieder 30 Jahre intensive Forschung verhindert und es ist dann noch fünfer vor zwölf. (Bei Sommerzeit allerdings schon fünfer vor eins.) Nun, glauben wir mal der zweiten Seite. Wir treffen sofort griffige Massnahmen, die nicht einfach Ziele für 2050 definieren, damit wir vorläufig weiterwursteln können. Nein, wir machen sofort ein paar Einschränkungen, die vielleicht im Moment etwas kosten, aber langfristig billiger sind. Kerosin-Subvention abschaffen, CO2-Gesetz durchsetzen etc.

Und jetzt das Langfrist-Szenario: Sollte sich in 30 Jahren herausstellen, dass nichts Schlimmes passiert ist, könnten die Klima-Leugner triumphieren und wir hätten ein paar Gesetze gemacht und Massnahmen getroffen, die nicht dringend waren, aber sicher der Umwelt nicht geschadet haben. Sollte sich dann aber erweisen, dass wir wirklich auf eine Katastrophe zurasen, könnten wir wenigstens sagen, wir haben zwar zu spät reagiert, aber wir haben immerhin reagiert und 30 Jahre mit Hochdruck zum Wohl der Umwelt geforscht und entwickelt. Auf welcher Seite möchten Sie sich jetzt einreihen? Übrigens: Den dümmst-möglichen Leserbrief nehme ich gleich hier vorweg: «Ja, Herr Weber, Sie haben ja auch ein Auto und brauchen Strom für Ihre Vorstellungen!» Das ist genau die Argumentation, die von besonders ausgeprägter Intelligenz zeugt.

Hier noch ein Wunsch: Bitte hören Sie auf, Herr Somm, Köppel, Rothenbühler und Konsorten, die «Klima-Jugend» lächerlich zu machen! Wollen Sie so lange warten und die Bewegung auslachen, bis die Jungen zu rabiateren Mitteln greifen müssen, um sich Gehör zu verschaffen? «Aber diese Jungen werden ja nur von den linksversifften Lehrern angestachelt.» Nein, gopfertelli, wenn die Jungen heute Zeitung lesen, den Wissenschaftlern zuhören, ist es schwer, einen Optimismus zu entwickeln. Übrigens hier noch eine Gratis-Pointe für Ihren Feldzug gegen Greta: «Allem, was aus Schweden kommt, fehlt ja eine Schraube!» Ha, ha, ha! (Smiley lachtot).

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