Er war Donald Trumps wichtigster Minister, die aussenpolitische Stimme der Vernunft, das letzte Stoppschild – jetzt hat James Mattis hingeworfen. Am Tag nachdem der Präsident den Abzug der US-Truppen aus Syrien ankündigte, erklärte der Verteidigungsminister seinen Rücktritt.

Mattis’ Rückzug wirft ein Schlaglicht darauf, dass Trumps Aussenpolitik nun endgültig nicht mehr als Fortsetzung der interessengeleiteten US-Politik der letzten Jahrzehnte gesehen werden kann. Zu Beginn seiner Amtszeit konnte man Trump dies noch wohlwollend zugutehalten.

Leute wie der längst entlassene Ex-Sicherheitsberater General H. R. McMaster versuchten überdies stets, Trumps Worte zu relativieren: «America First» heisse nicht «Amerika allein». Doch diese Lesart der Politik des Präsidenten lässt sich nun kaum noch aufrechterhalten. Mattis’ Kündigungsschreiben lässt nur diese Interpretation zu: Der Präsident behandelt Verbündete respektlos und hat keinen klaren Blick auf Gegner und Wettbewerber.

Mehr noch: Der selbst ernannte «Dealmaker» Trump hat bislang keinen einzigen überzeugenden aussenpolitischen Deal zustande gebracht. Stattdessen pinselt er Autokraten die Bäuche, stärkt die Positionen von Putin oder Kim Jong Un. Er macht ein Zugeständnis nach dem anderen, ohne echte Gegenleistungen zu bekommen. So geschehen in Nordkorea, wo die atomare Abrüstung nicht einen Millimeter vorangekommen ist. So geschehen nun in Syrien, wo Trump Moskau, Ankara und Teheran freiwillig das Feld überlässt.

Konnte man vor zwei Jahren noch einigermassen beruhigt auf die Militärs an den Schlüsselstellen der Administration verweisen, die Trump schon in Schach halten werden, stellt man nun ernüchtert fest: Mit Mattis geht der Letzte von ihnen. Für die US-Aussenpolitik bedeutet das nichts Gutes.