Pro und Kontra

Sind wir froh über das Ende von «Giacobbo/ Müller»?

Am 27. Januar 2008 flimmerte «Giacobbo/Müller» zum ersten Mal über die Bildschirme. Doch kommenden Sonntag macht die Comedy-Show Schluss. (Archivbild)

Am 27. Januar 2008 flimmerte «Giacobbo/Müller» zum ersten Mal über die Bildschirme. Doch kommenden Sonntag macht die Comedy-Show Schluss. (Archivbild)

Am nächsten Sonntag wird die Satire-Sendung zum letzten Mal ausgestrahlt. «Giacobbo/Müller» flimmerte am 27. Januar 2008 erstmals über den Bildschirm. Mit dem Ende der Sendung stellt sich auch die Frage, wie es weitergeht mit dem Comedy-Fach auf den TV-Sendern von SRF. Aber wird man die Sendung «Giacobbo/ Müller» wirklich vermissen? Die Meinungen in unserer Redaktion sind geteilt.

Pro von Sebastian Wendel: «Vom Fixstern zum Ablöscher: Die Show ist stehen geblieben»

Giacobbo und Müller waren einmal überraschend, einfach gut – doch sie sind stehen geblieben in einer TV-Welt, die immer schneller dreht.

Der triftigste Grund, warum ich Viktor und Mike nicht vermissen werde: Ich habe sie seit zwei Jahren nicht mehr geschaut. Vielleicht schon seit drei Jahren. Und etwas vermissen, das mich nicht mehr interessiert? Unmöglich!

Doch wie ist es so weit gekommen? Wieso schalte ich nach dem «Tatort» um und ziehe mir einen weiteren Krimi rein, statt das Wochenende mit Satire made in Leutschenbach zu beschliessen? Wieso habe ich nach jedem Mal, als ich dem Duo wieder eine Chance gab, noch schneller weggezappt? Schliesslich lag «Giacobbo/Müller» in der Hitliste meiner TV-Fixsterne einmal ganz oben. Das Gleiche gilt übrigens für mein Umfeld: Früher sass die ganze Familie vor dem Fernseher und hielt sich vor Lachen die vollen Bäuche. Tags darauf im Büro war die Sendung vom Vorabend DAS Thema. Das war einmal: Nicht einmal die Nachricht vom Ende der Show schaffte es in unseren Kaffeeklatsch.

Warum? Sie haben sich abgenutzt. Die Sendung ist stehen geblieben in einer (TV-)Welt, die immer schneller dreht. Seit der Erstausstrahlung vor acht Jahren immer das gleiche Prozedere: Einmarsch der Gladiatoren, Medienschau, Sketches, Gastbeitrag, Mike holt Kaffee, Studiogast, Ende. Gegen ein stabiles Gerüst ist nichts einzuwenden: Doch die Macher von «Giacobbo/Müller» haben es verpasst, innerhalb dieser Leitplanken stets aufs Neue zu überraschen. Die Themen sind vorhersehbar, die Pointen durchschaubar, es mangelt an Spontanität. Kurz: Das Skript drückt zu fest durch.

In der ersten Hälfte der Ära war der Unterhaltungsfaktor noch hoch. Dank neu geschaffenen Sketch-Figuren und den Dauergästen: Peter Tate vermisse ich heute noch, weil er zu früh gegangen ist. Auch Buddy Casino und Frölein Da Capo blieben nicht länger als zwei Jahre. Doch ausgerechnet Miesepeter Dani Ziegler sitzt nun seit über vier (!) Jahren Sonntag für Sonntag auf der Bühne und motzt. Sorry, aber ich bin unter der Woche schon genug umgeben von mies gelaunten Menschen!

Eine letzte Chance hat jeder verdient. Darum werde ich am Sonntag einschalten. Und wenn Giacobbo und Müller es schaffen sollten, in ihrer letzten Sendung aus ihrem Raster auszubrechen, dann werde ich sie in Zukunft doch noch ein wenig vermissen.

Kontra von Andreas Schaffner: «Victor Giacobbo hat enorm viel geleistet für den Humor»

Doch nun ist mit diesem Spiel Schluss. Was nach «Giacobbo/Müller» kommt, verspricht längst nicht die gleiche Qualität.

«Giacobbo/Müller» ist schon bald Geschichte und die Schweizer Comedy-Welt heult. Zu Recht. Denn es war vor allem Victor Giacobbo, der in den letzten Jahren enorm viel für den Humor in der Schweiz geleistet hat. Er hat Gag-Schreiber ausgebildet, Jungtalente gefördert und den Politikern einen Spiegel vorgehalten. Und nebenbei noch ein eigenes Theater auf die Beine gestellt. Ich lehne mich nicht zu stark aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass ohne «Giacobbo/Müller» Hazel Brugger nicht so schnell durchgestartet wäre und Frölein Da Capo kaum jemand kennen würde.

Zugegeben: «Giacobbo/Müller» war keine bitterböse Satire-Sendung, wie «Die Anstalt» im deutschen Fernsehen. Es war kein TV-Experiment, wie einst Frank Baumanns «Ventil», und es war nicht eine geschliffene US-Talk-Show wie Jimmy Fallons «Tonight Show».

Es war eine Mischung von allem und es funktionierte. Und es war nicht immer alles lustig, was unter dem Chef-Gagschreiber des Schweizer Fernsehens, Domenico Blass, produziert wurde. Sassen Victor Giacobbo oder Mike Müller mit dem Produktionsteam in der Cafeteria des Schweizer Fernsehens und brüteten über die Pointen, warf ihnen manch ein SRF-Mitarbeiter – besonders die vermeintlich hart recherchierenden – spöttische Blicke zu.

Doch nun ist mit diesem Spiel Schluss. Und was kommt, verspricht längst nicht die gleiche Qualität. Es bleibt eine Lücke, die nur schwer auszufüllen ist. Natürlich haben das die beiden Talker gewusst und sich daher vielleicht ein bisschen zu sicher gefühlt. Und ob der Freude an «Giacobbo/Müller» haben die SRF-Verantwortlichen vergessen, ein Nachfolgeformat wie die «Heute Show» zu entwickeln. Doch das ist sicher nicht der Fehler Victor Giacobbos oder Mike Müllers. Im Gegenteil: Sie haben stets darauf hingewiesen, dass einmal Schluss sein wird.

Deshalb bleibt am Schluss nur die Hoffnung. Die Hoffnung, dass ich mit meinem Pessimismus nicht recht habe. Dass es irgendwo in der Schweiz ein Projekt gibt, das vom SRF weiterentwickelt werden kann. Hazel, komm, verrat uns deine geheimsten Pläne! Büssi, vor! Michael Elsener, los, Fabian Unteregger, mach mehr Brig-TV. Und ich verspreche, wirklich auch
mal zu lachen.

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