Der definitive Entzug der Praxisbewilligung ist eine einschneidende Massnahme für einen Arzt. Konkret bedeutet diese Sanktion ein Berufsverbot. In den letzten fünf Jahren gab es in der Schweiz 19 solche Fälle, zwei davon im Aargau: 2012 wurde Ingo Malm aus Rudolfstetten die Bewilligung entzogen, nun Hareshchandra Shah aus Klingnau. In beiden Fällen gingen dem Entzug der Bewilligung, der vom Bundesgericht bestätigt wurde, Verurteilungen wegen Betäubungsmitteldelikten voraus.

Und es gibt eine weitere Parallele: Malm und Shah sind in Deutschland vorbestraft. Die kantonalen Behörden im Aargau, die den beiden Ärzten die Bewilligung erteilten, wussten nichts davon. Gesundheitsdirektorin Franziska Roth bezeichnet die Affäre um Shah als Einzelfall. Das trifft für Roths Amtszeit seit Anfang 2017 zu, doch schon ihre Vorgängerin Susanne Hochuli hatte mit Malm einen sehr ähnlichen Fall.

Die zwei Verfahren zogen sich hin, bis der Entzug der Praxisbewilligung rechtskräftig war, dauerte es Jahre. Dass der Kanton eingriff und die straffälligen Ärzte nun keine Patienten mehr behandeln dürfen, war nötig und richtig. Besser wäre es gewesen, Malm und Shah hätten keine Bewilligung im Aargau erhalten. Nach dem Motto: Vorbeugen ist besser als heilen – oder auf die Bewilligung bezogen: Nicht erteilen ist besser als entziehen. Es geht nicht darum, ausländische Ärzte unter Generalverdacht zu stellen. Die Behörden müssen aber genaue Abklärungen treffen, bevor sie eine Bewilligung erteilen. Dazu gehört ein Strafregisterauszug aus dem Herkunftsland – und lieber eine Nachfrage mehr als weniger.