Börsengang

Stadler Rails fragwürdige Börsen-Profiteure

Peter Spuhler will auch nach dem Börsengang von Stadler Rail Ankeraktionär und Verwaltungspräsident des Thurgauer Bahnherstellers bleiben. Nach dem IPO sinkt sein Anteil von 80 Prozent auf knapp 40 Prozent. (Archivbild)

Peter Spuhler will auch nach dem Börsengang von Stadler Rail Ankeraktionär und Verwaltungspräsident des Thurgauer Bahnherstellers bleiben. Nach dem IPO sinkt sein Anteil von 80 Prozent auf knapp 40 Prozent. (Archivbild)

Neben Peter Spuhler zählen vor allem die Kadermitarbeiter und die Geschäftsleitung zu den Gewinnern des Börsengangs von Stadler Rail. Wie Recherchen von CH Media zeigen, haben Mitarbeiter im letzten Jahr über 350 000 Aktien zu einem sehr vorteilhaften Preis gekauft.

Nur Klassenkämpfer und Neidhammel missgönnen Peter Spuhler, dass durch den Börsengang von Stadler Rail 1,5 Milliarden Franken auf sein Konto geflossen sind. Denn der frühere SVP-Politiker hat eine sensationelle unternehmerische Leistung vollbracht: Als er die Bahnbau-Firma 1989 übernahm, beschäftigte sie 18 Mitarbeiter, heute allein am Hauptsitz in Bussnang TG 1800 Angestellte, weltweit 8500. Es sind solche Erfolgsgeschichten, die mutige, innovative Unternehmer zu verdienten Milliardären machen: Kapitalismus zum Wohle aller.

Doch vier Tage nach dem Börsengang zeigt sich, dass dieser auch fragwürdige Profiteure mit sich brachte. 170 Kader und Verwaltungsräte wurden beim Börsengang privilegiert und viele davon zu Millionären, darunter solche, die noch nicht lange bei Stadler arbeiten. Gewöhnliche Mitarbeiter oder untere Kader gingen leer aus. Das ist ein seltsames Signal: Hat nicht auch ein langjähriger Top-Ingenieur hohen Anteil am unternehmerischen Erfolg von Stadler? Was denkt er, wenn er keine Aktien bekommt, der Finanzchef aber, der erst seit 2017 im Amt ist, jetzt Titel im Wert vom 4,3 Millionen Franken besitzt?

Einen schalen Nachgeschmack hinterlässt auch, dass Verwaltungsräte wie Christoph Franz – der hauptsächlich für den Pharmakonzern Roche arbeitet und dafür fürstlich entlöhnt wird – riesige Aktienpakete erhalten. Dasjenige von Franz ist 56 Millionen Franken wert. Und das wohlverstanden bei einem Unternehmen, das von Staatsaufträgen lebt. Das ist Kapitalismus zum Wohle weniger.

patrik.mueller@chmedia.ch

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