Kommentar

Trotz Lokführermangel: Warum die SBB keine autonomen Züge wollen

Lokführer Walter Schmid überwacht die Testfahrt eines führerlosen Zugs auf der Strecke der Oensingen-Balsthal-Bahn am 8. Januar 2020.

Lokführer Walter Schmid überwacht die Testfahrt eines führerlosen Zugs auf der Strecke der Oensingen-Balsthal-Bahn am 8. Januar 2020.

Tests zeigen, nicht nur auf der Strasse, sondern auch auf den Schienen wäre autonomes Fahren technisch möglich. Und dennoch kommt es wohl nicht so bald.

Das autonome Fahren steht kurz bevor. Das heisst es schon länger. Und in der Tat, technologisch ist das für Züge keine Hexerei. Das zeigen Tests auf der Strecke einer Schweizer Privatbahn. Und dennoch erklären die SBB, dass für sie autonome Züge keine Priorität hätten – trotz Lokführermangel. Der Grund liegt in der Sicherheit. Unfälle mit autonomen Zügen wären verheerend. Ausschliessen lassen sie sich aber nicht, da die Technologie – allen Fortschritten zum Trotz – nie hundert prozentig sicher sein wird.

Eine Umstellung liesse sich dann rechtfertigen, wenn das System sicherer ist, als wenn Menschen hinter den Hebeln sitzen. Das liesse sich bewerkstelligen. Doch die Investitionen, die dafür getätigt werden müssten, sind hoch. Vergleichsweise niedrig sind dagegen die Lohnsummen der Lokführer. Zumal wieder Personal eingestellt werden müsste, welches das autonome System überwacht.

Anders sieht es im Strassenverkehr aus. Hier transportiert ein Chauffeur jeweils bloss wenige Menschen oder eine vergleichsweise kleine Ladung von Gütern. Ein Taxi- oder Transportunternehmen könnte gewaltige Summen einsparen, wenn seine Flotte autonom über den Asphalt rollen würde. Dummerweise ist dies technisch viel schwieriger als bei Zügen, da Autos nicht auf eigenen Netzen unterwegs sind. Sie müssen sich im komplexen Strassenverkehr zurechtfinden. Nicht nur auf Autobahnen, sondern auch in Städten.

Die Aufgabe wäre lösbar, wenn alle Autos autonom fahren würden und miteinander kommunizieren können. Dies wird aber nicht so schnell der Fall sein, denn die Lebensdauer eines Autos beträgt 12 Jahre. Doch auch wenn es gar keine herkömmlichen Wagen mehr gäbe, müsste der Autoverkehr von Velofahrern und Fussgängern getrennt werden. Dies würde einen grossen städteplanerischen Eingriff bedeuten und enorm teuer werden.

Lasersensoren, Kameras, künstliche Intelligenz, 5G: Die Technologie ist zwar fast bereit. Es fehlt nicht mehr viel. Und dennoch könnte das autonome Fahren noch lange stets kurz bevorstehen

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