Die Demokraten haben recht: Die Behauptung von Präsident Donald Trump, über Amerikas Südgrenze schwappe eine Sturzflut von Menschen mit bösartigen Absichten, ist schlicht falsch. Irreführend ist auch, diese angebliche Krise mit den furchtbaren Delikten zu belegen, die illegal eingewanderte Ausländer begangen haben. Die überwiegende Mehrheit der entsprechenden Straftaten wird durch Amerikaner begangen.

Aber es stimmt auch, dass die USA an der 3200 Kilometer langen Grenze zu Mexiko verwundbar sind. Und dass das amerikanische Einwanderungssystem modernen Herausforderungen nicht gewachsen ist – so sind die meisten Sans-Papiers ganz legal ins Land eingereist, über einen Grenzposten oder einen internationalen Flughafen. Mit dem Bau einer Mauer lassen sich die Probleme im amerikanischen Einwanderungssystem nicht lösen. Das weiss wohl auch Trump. Dennoch hält er am Bau einer Grenzbefestigung fest, weil die Mauer mittlerweile seine Präsidentschaft symbolisiert und der Wahlkampf 2020 bereits auf Hochtouren läuft. Und letztlich ist es viel einfacher, über die Vorzüge einer Mauer aus Beton oder Stahl zu spekulieren, als Paragrafen der Einwanderungsgesetze umzuschreiben.

Auch deshalb gibt es wenig Hoffnung auf ein baldiges Ende des Patts zwischen den Demokraten im nationalen Parlament und dem Republikaner im Weissen Haus. Beide Seiten wissen, dass sie Konzessionen eingehen müssten, um den Teil-«Shutdown» zu beenden. Und beide Seiten wollen dafür den politischen Preis nicht bezahlen.