Der Auftritt von Bundesanwalt Michael Lauber steckt vielen noch in den Knochen. Er teilte am Freitag öffentlich gegen alle Seiten aus. Er wetterte gegen die Mutmassungen seiner Gegner und gegen Verschwörungstheorien der Medien. Er schimpfte über die Aufsichtsbehörde und unterstellte ihr, mit der Disziplinaruntersuchung seine Unabhängigkeit anzugreifen.

Die Parlamentarier tun gut daran, die Wogen um den Bundesanwalt und seine Wiederwahl zu glätten, die Emotionen aus der Debatte zu nehmen. Sie stellen also nüchtern fest, dass es zum «jetzigen Zeitpunkt» keinen Anhaltspunkt gebe, dass Lauber absichtlich oder böswillig falsch gehandelt habe oder dass er bezüglich seines dritten Treffens mit Fifa-Präsident Gianni Infantino bewusst gelogen habe.

Die Betonung auf dem «zum jetzigen Zeitpunkt» bedeutet, dass Zweifel bestehen: Vielleicht kann sich eine einzelne Person nicht an ein Treffen erinnern. Dass vier Personen sich nicht erinnern können, ist nicht nachvollziehbar. Die Disziplinaruntersuchung schafft hoffentlich Klarheit.

Deswegen bleibt der Gerichtskommission, die heute eine Empfehlung für die Wahl Mitte Juni abgeben muss, eigentlich gar nichts anderes übrig, als die Wahl auf den Herbst zu verschieben.

Das bedeutet aber auch, dass die Aufsichtsbehörde die Untersuchung schnell vorantreiben und dass Lauber für ein schnelles Resultat kooperieren muss. Denn letztlich ist es in seinem grössten Interesse, alle Zweifel auszuräumen. Fehlt das Vertrauen in faire Verfahren, kann die Bundesanwaltschaft den Laden dichtmachen.

anna.wanner@chmedia.ch