Gastkommentar

Wir müssen den Flugverkehr frei von Treibhausgasen machen

Der Billigflieger Easyjet will künftig den CO2-Ausstoss seiner Flugzeugflotte vollständig mit Klimaschutzprojekten ausgleichen. (Archiv)

Der Billigflieger Easyjet will künftig den CO2-Ausstoss seiner Flugzeugflotte vollständig mit Klimaschutzprojekten ausgleichen. (Archiv)

Der CEO von easyJet kritisiert die vorgesehen Flugticketsteuer. Nationale Alleingänge in der CO2-Frage seien nicht zielführend. Ein Gastkommentar.

Der Anteil des Luftverkehrs an den weltweiten CO2-Emissionen liegt bei weniger als 3 Prozent, jedoch ist es unabdinglich, dass Industrie und Politik Verantwortung übernehmen und den Übergang zu einer nachhaltigen Luftfahrt beschleunigen. Auch im Vorfeld der Totalrevision des CO2-Gesetzes reichen gute Absichten nicht länger aus.

easyJet setzt sich schon seit längerem hierfür ein: Kurzfristig reduzieren wir durch Effizienzmassnahmen den CO2-Ausstoss pro Personenkilometer weiter (seit 2000 bereits um mehr als ein Drittel, 33,67 Prozent), während wir mittel- und langfristig mit Partnern wie Airbus, Wright Electric und Rolls Royce die Entwicklung neuer Technologien, einschliesslich Hybrid- und Elektroflugzeuge, unterstützen.

Nach aktuellen Prognosen erwarten wir eine Kommerzialisierung von Hybrid- und vollelektrischen Flugzeugen in den 2030er Jahren. Zahlreiche Fluggesellschaften sehen in Biokraftstoffen eine Lösung, diese sind jedoch noch nicht so weit fortgeschritten, um eine marktfähige Alternative anzubieten.

Wir unterstützen auch globale Initiativen wie CORSIA, dem auch die Schweiz beigetreten ist. Das Kompensationssystem für den internationalen Flugverkehr wird 2021 die globale Antwort für eine nachhaltige und effektive Reduktion von CO2-Emissionen im Flugverkehr sein.

Die alleinige Umsetzung von CORSIA ist jedoch nicht ausreichend und es sind unmittelbare Initiativen erforderlich, sodass wir seit November 2019 als erste grosse Airline weltweit die CO2-Emissionen des Treibstoffs bei allen Flügen ausgleichen und damit internationale Klimaschutzprojekte unterstützen. Wir wissen, dass dies nur eine Übergangsmassnahme sein kann, während neue Technologien entwickelt werden, um den Luftverkehr langfristig zu «dekarbonisieren».

Ein nationaler Alleingang, wie die vorgesehene Flugticketsteuer, ist der CO2-Reduktion abträglich. Die Steuer ist im aktuellen Entwurf deutlich höher als in den Nachbarstaaten und hat unerwünschte Folgewirkungen: Sie benachteiligt Schweizer Regionalflughäfen und Kurzstreckenflüge zugunsten von umweltschädlicheren Transit- und Langstreckenflügen.

Eine Flugticketsteuer steht der öffentlichen Meinung entgegen, Klimaschutz sozialverträglich zu gestalten. Sie belastet jedoch Passagiere mit mittlerem stärker als solche mit hohem Einkommen und viele Menschen werden sich nach Einführung einer derart hohen Steuer Reisen nicht mehr leisten können.

Die aktuell vorgeschlagenen Höhen der Flugticketsteuer stehen auch in keinem Zusammenhang mit den Umweltauswirkungen. Zum Beispiel: Eine Steuer von 30 Franken für einen Kurzstreckenflug von rund zwei Stunden entspricht 50 Prozent des Durchschnittspreises eines easyJet-Tickets (rund 60 Franken). Die Höhe dieser Steuer ist völlig unverhältnismässig im Vergleich zu dem Steuervorschlag von 120 Franken auf einem teureren und umweltschädlicheren Langstreckenflug in der Business Klasse.

Zudem werden Transferpassagiere von der Steuer ausgenommen, obwohl die Umweltauswirkungen mit jenen eines Direktfluges identisch oder höher sind. Eine Steuer pro Flug statt pro Passagier hingegen schafft bei Fluggesellschaften Anreize für ein umweltfreundliches Verhalten, z.B. durch neuere Flugzeugen mit moderner Technik, höherer Auslastung oder einem effizienten Flugbetrieb.

Die Schweizer Regierung sollte mit einer effizienten Ausgestaltung der Steuer Anreize für einen CO2-freien Luftverkehr bieten sowie selber in Forschung und Entwicklung investieren. Wir haben seit Jahren die Entwicklung von Innovationen wie elektrischer Flugzeuge für eine klimaneutrale Zukunft der Luftfahrt vorangetrieben und kompensieren als erste grosse Airline die CO2-Emissionen des Treibstoffs bei allen Flügen.

Solche Initiativen sollten durch politische Massnahmen gefördert werden und alle Luftfahrt-Akteure, wie auch Fluggesellschaften, Flughäfen und Hersteller, sollten aktiv auf Effizienz hinarbeiten, unterstützt durch eine Politik der Anreize anstatt durch eine der Bestrafung.

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