Ambulant vor stationär ist ein Zauberwort. Es soll mithelfen, die enorme Steigerung der Gesundheitskosten einzudämmen. Seit 1. Januar gilt eine Liste des Bundes mit sechs Eingriffen, die möglichst ambulant statt stationär erfolgen sollen. Mehrere Kantone, auch der Aargau, haben inzwischen weitergehende Listen. Die Aargauer Regierung erhofft sich jährliche Einsparungen von 5 Millionen Franken, und von jährlich einer Million Franken mehr. Dies, weil ambulante Eingriffe deutlich günstiger sind.

Klar ist aber, und das muss unbedingt so bleiben: Ärztinnen und Ärzte entscheiden in jedem Einzelfall selbst, ob der Eingriff ambulant richtig ist oder ob er im Interesse des Patienten stationär erfolgen muss. Trotzdem braucht es den Druck der Politik, da die Leistungserbringer für stationäre Eingriffe viel besser entschädigt werden.

Dass die Kantone ambulant vor stationär vorantreiben und damit dem Bund vorangehen, ist verständlich, zumal die Patienten ja auch nur so lange wie nötig im Spital sein wollen. Darum ist es richtig, dass der Aargau das Urteil gegen seine 13er-Liste weiterzieht. Nur so entsteht rasch Klarheit und Rechtssicherheit.

Sollten die Richter in Lausanne so entscheiden wie die Vorinstanz, muss Bundesbern mit Hochdruck die Rechtsgrundlage für kantonale Listen schaffen. Oder in Absprache mit den Kantonen seine Liste zügig dem medizinischen Fortschritt anpassen. Letzteres wäre – auch wenn das Gesundheitswesen Sache der Kantone ist – aus Patientensicht die beste Lösung. Denn dann gelten überall dieselben Regeln.