Lafarge/Holcim

Zu wenig, zu spät

Vor der Fusion der beiden Zementhersteller Lafarge und Holcim kam es im Frühling 2014 zu einer verdächtigen Häufung von Aktiontransaktionen. (Archiv)

Vor der Fusion der beiden Zementhersteller Lafarge und Holcim kam es im Frühling 2014 zu einer verdächtigen Häufung von Aktiontransaktionen. (Archiv)

Das Bundesstrafgericht hat einen 53-jährigen Zürcher Finanzfachmann wegen Insiderhandels bei der Fusion der Zementhersteller Lafarge und Holcim zu einer Busse von 7800 Franken verurteilt. Bei fünf weiteren angeklagten «Ereignissen» schloss das Gericht auf Freispruch. Der Kommentar

Viel zu lange galt Insiderhandel in der Schweiz als Kavaliersdelikt. Zu Verurteilungen von Missetätern, die höchst vertrauliche Informationen zu einem satten Kursgewinn an der Börse ausnutzten, kam es kaum je. Die Delinquenten konnten kein Fehlverhalten erkennen, da sie aus ihrer Sicht eigentlich gar niemanden geschädigt haben. Doch letztlich geht
es um Fairness und Gleichbehandlung aller Marktakteure. Niemand soll einen erlangten Wissensvorsprung ungerechtfertigt in bare Münze umwandeln können, muss der Grundsatz lauten.

In zwei Anläufen wurden die Gesetze in der Schweiz geändert, wie in anderen Finanzfragen auch hier nicht zuletzt aufgrund des Drucks aus dem Ausland. Nun ergehen die ersten Urteile, so
wie im Fall eines Vermögensverwalters, der dank Insiderwissen vor der Fusion von Holcim und Lafarge knapp 2 Millionen Franken herausholte. Noch ist nicht klar, ob das Urteil an das Bundesgericht weitergezogen wird.

Ob das Bundesstrafgericht die Tat mit der Busse von 7800 Franken allzu milde ahndete, ist aufgrund der bisher wenigen Urteile schwer abzuschätzen. Doch beschleicht einen der Verdacht, dass es selbst nach der zweifachen Verschärfung des Gesetzes noch immer sehr schwierig ist, eine Anklage wegen Insiderhandels so zu führen, dass ein Gericht eine harte Strafe aussprechen kann, die auch wehtut. Eine Busse, die Bezahlung der Gerichtskosten und die Rückerstattung der eingestrichenen Gewinne erscheinen als Abschreckung für künftige Täter auf jeden Fall deutlich zu milde.

andreas.moeckli@azmedien.ch

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