Digitale Dossiers

Es nützt nur, wenn alle mitmachen

Wer es möchte, kann in Basel schon ein elektronisches Patientendossier für sich eröffnen lassen.

Wer es möchte, kann in Basel schon ein elektronisches Patientendossier für sich eröffnen lassen.

Warum können wir uns seit Jahren per E-Banking bequem am eigenen Computer über alle Details unserer finanziellen Situation informieren, haben die perfekte Übersicht und Kontrolle, doch bei unseren Gesundheitsdaten herrscht komplette Intransparenz und Abhängigkeit? Es ist höchste Zeit, dass Patienten direkten Zugriff auf alle relevanten Gesundheitsdokumente erhalten.

Dass Basel-Stadt in der Deutschschweiz bei der Einführung von elektronischen Patientendossiers vorangeht, ist deshalb löblich. Doch an einem entscheidenden Punkt krankt das System – und zwar nicht nur in Basel, sondern auch auf Bundesebene: Das elektronische Dossier kann seinen vollen Nutzen nur entfalten, wenn es möglichst vollständig ist.

Das Bundesgesetz jedoch schreibt die Einführung nur für Spitäler, Pflegeheime und Geburtshäuser vor. Für die ambulanten Anbieter, allen voran die Hausärzte, ist die Teilnahme freiwillig. So wird also weiter eine papierene Dossierführung parallel aufrechterhalten. Und der Spitalarzt kann sich nie sicher sein, ob nicht wichtige Dokumente fehlen. Die Hoffnungen auf Kostensenkungen durch grössere Effizienz und weniger Doppelspurigkeiten sind deshalb völlig verfehlt.

Die Patienten ihrerseits müssten verpflichtet werden, zumindest gewisse Grunddaten und die wichtigsten Dokumente verfügbar zu machen. Die jetzt propagierte völlige Nutzerfreiheit klingt schön, macht das Dossier aber auch zu einem unzuverlässigen Arbeitsinstrument für die Ärzte.

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