Was sagte doch Jean Paul, deutscher Dichter, Publizist und Pädagoge? Genau: Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.

In der Erinnerung sind die Menschen freundlich, die Wiesen grün, die Schneehaufen hoch, Weihnachten weiss, Sommertage heiss und nichts wirkt so erfrischend wie kühles Brunnenwasser von der Röhre. Jedenfalls für Kinder. Und für die Erwachsenen meinetwegen Bier, den Becher noch «für ’n es Zwänzgi», wie der Berner Troubadour Fritz Widmer einst in seinem ironisierenden Lied über die verklärte Vergangenheit sang.

Ja, früher – keine verdichtete Bauweise, keine Handyantennen, kein Beizensterben, kein Fluchtverkehr, keine Nachtruhestörung, keine getunten Motoren, keine Multiple-Choice-Prüfungen; der Klimawandel fern, autofreie Sonntage ein Klacks. 24-Stunden-Shops – vielleicht irgendwo in Amerika, gehört davon hatte man schon mal. Aber sonst? «Öppe es Velo mit Hilfsmotor» sei durchs Dorf gefahren zu ihrer Kinderzeit, hatte meine Mutter mal gesagt. Und auf Sonntagsspaziergängen gabs ein Fläschli «Extra», so hiess das Citro damals für die Lostorfer, wenn sich die Sonntage bleiern über die Jurasüdfusslandschaft gelegt und man sich zu Fuss auf die Flucht davor gemacht hatte.

Ich werde wieder mal Wasser von der Röhre trinken müssen; einfach so, meinetwegen aus Lebensfreude. Denn wenn ich mich richtig erinnere, war nach den vier, fünf Schluck Wasser die Welt wieder im Lot, damals als Kind. 

Wo gibts den Brunnen noch, der mich ins Paradies katapultiert?

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