Gleichgeschlechtliche Paare

Ehe für alle wäre konsequent

Gleichgeschlechtliche Paare haben es in der katholischen Kirche schwerer als in der reformierten (gestellte Szene). KEYSTONE/Martin Ruetschi

Gleichgeschlechtliche Paare haben es in der katholischen Kirche schwerer als in der reformierten (gestellte Szene). KEYSTONE/Martin Ruetschi

An die Ehe ist das Recht auf Familie geknüpft. Die Konsequenz: Dürfen gleichgeschlechtliche Paare heiraten, dann dürfen sie auch Kinder adoptieren. Wie schwer diese Vorstellung sogar gesellschaftsliberalen Politikern fällt, entlarvt ihre Wortwahl.

Dass ein Paar heiratet, hat oft praktische Gründe: Gerade wenn Kinder im Spiel sind, kann rechtlich vieles einfacher geregelt werden. Bei anderen Paaren steht hingegen die Symbolik im Vordergrund: der Bund fürs Leben. So ist es nachvollziehbar, dass sich Schwule und Lesben diskriminiert fühlen, wenn ihnen dieser Schritt verwehrt bleibt.

Mit der Initiative «Ehe für alle» wurde ein berechtigtes Anliegen aufgegriffen. Bloss: Hinter dem Eheversprechen steckt nicht nur Romantik, es eröffnet Paaren auch neue Möglichkeiten.

So ist an die Ehe das Recht auf Familie geknüpft. Die Konsequenz: Dürfen gleichgeschlechtliche Paare heiraten, dann dürfen sie auch Kinder adoptieren – vorausgesetzt natürlich, sie erfüllen die strengen Vorgaben einer Adoption.

Wie schwer diese Vorstellung sogar gesellschaftsliberalen Politikern fällt, entlarvt ihre Wortwahl. Wenn etwa von «normalen Familien» die Rede ist. Nur: Was ist in Zeiten von Patchwork und Alleinerziehenden noch «normal»? In der Diskussion zeigt sich, dass die breitflächige Akzeptanz neuartiger Familienmodelle der Realität hinterherhinkt – von der Rechtslage ganz zu schweigen. Und das kann zu Problemen führen, wie der Fall eines schwulen Paares aus der Schweiz zeigt, das sich über eine Leihmutter in den USA den Kinderwunsch erfüllt hat. Die Schweiz anerkennt nur den leiblichen Vater. Dem zweiten Vater bleibt die Adoption verwehrt. Was aber, wenn dem leiblichen Vater etwas zustösst? Wäre es nicht besser, das Kind hätte dann wenigstens einen Vater?

Da es auch keine Hinweise dafür gibt, dass zwei Väter oder zwei Mütter die schlechteren Eltern sein sollen als gemischte Paare, müssen Vorurteile abgebaut und Gesetze angepasst werden – vor allem, wenn es im Kern um das Kindswohl gehen soll.

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