Militär

Jetzt brauchts eine Dienstpflicht für alle

André Blattmann warnt: Schweizer Armee verliert jährlich 5500 Personen an den Zivildienst (Archivbild)

André Blattmann warnt: Schweizer Armee verliert jährlich 5500 Personen an den Zivildienst (Archivbild)

Der Armeechef André Blattmann hat mit seiner Aussage, der Zivildienst sei zu attraktiv, in ein Wespennest gestochen. Was es jetzt braucht, ist eine Dienstplicht für alle – also eventuell auch für Frauen und Ausländer.

Der Armee-Chef stellt die «Wehrgerechtigkeit» infrage. Der Zivildienst sei zu attraktiv, weshalb immer weniger Schweizer Militärdienst leisteten, so André Blattmann. Könnte die Armee dereinst nicht mehr genügend junge Männer rekrutieren, wäre das tatsächlich ein Problem.

Dass aber junge Schweizer überhaupt bereit sind, einen Dienst für die Allgemeinheit zu leisten, ist begrüssenswert. Die grosse Ungerechtigkeit liegt nämlich woanders. 2014 wurden bei der Aushebung 38 Prozent für untauglich erklärt, Tendenz steigend. Die allgemeine Wehrpflicht ist längst ein Mythos.

Dass mehr als ein Drittel nicht tauglich ist, Militär- oder Zivildienst zu leisten, ist schwer zu glauben. Jeder, der in den letzten Jahren die Aushebung mitgemacht hat, weiss: Wer nicht will, findet leicht einen medizinischen Grund und kann sich vor der Wehrpflicht drücken. Wer noch Dienst leistet, muss sich allmählich blöd vorkommen. Zwar zahlen die Ausgemusterten Ersatzabgaben, bis sie 30 sind. Diese hängen aber vom Einkommen ab – was die Ausmusterung gerade für Studenten günstig und zusätzlich attraktiv macht.

Gerecht wäre nur ein System, in dem jeder etwas beiträgt. Keine Wehr-, sondern eben eine Dienstpflicht. Dazu braucht es zuallererst eine ehrlichere Musterung. Wenn die Ausmusterung auf die effektiv Untauglichen reduziert würde, hätte die Armee mehr als ausreichend Personal. Viel wichtiger: Mit den zusätzlichen jungen Männern könnte der Zivildienst ausgebaut werden, um dem Personalmangel im Gesundheitswesen zu begegnen.

Es stellt sich zudem die Frage, ob nicht auch Frauen Dienst leisten sollten. Ebenso ausländische Staatsangehörige ab einem gewissen Aufenthaltsstatus. Ein solches System wäre nicht nur gerechter. Wenn alle ein paar Monate ihres Lebens etwas für die Allgemeinheit täten, wäre erst noch dem sozialen Zusammenhalt des Landes gedient.

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