SRF-Sendung

10. Staffel «Deville»: Folgt auf «Karpi» eine Frau?

Wurde von der Aktualität überholt: Entertainer Dominic Deville.

Wurde von der Aktualität überholt: Entertainer Dominic Deville.

Beim Auftakt zur Jubiläumsstaffel musste Dominic Deville am vergangenen Abstimmungssonntag ohne seinen alten Sidekick Patrick Karpiczenko in die Vollen gehen. Nur eines fehlte ihm dafür: Aktualität.

Entnervt vom Sparkurs des Schweizer Fernsehens, hatte Ex-Chefgagschreiber und Sidekick Patrick Karpiczenko im Mai überraschend seinen Rücktritt bei der Satiresendung «Deville» bekannt gegeben. Während der frischgebackene Vater neuerdings im Vaterschaftsurlaub fleissig in die Welt twittert («Im Gegensatz zu anderen Textformen kann man Tweets auch noch mit Säugling im Arm schreiben») oder für das Online-Magazin «Republik» im Interview den Säugling über seinen Erzeuger ausfragt («Er kocht. Sein Unterhaltungswert ist nicht von der Hand zu weisen»), ist das verbliebene «Deville-Team wieder aus seiner Corona-Notunterkunft in den Gebäuden der eigenen Produktionsfirma herausgekrochen.

Am Sonntagabend wurde also wieder getalkt – standesgemäss – aus dem Folium in Zürich, vor begrenzter Zuschauerzahl (50 Gäste), aber mit dem gewohnten Studio-Glamour. Zumindest auf der Oberfläche liess sich das SRF seine Sparmassnahmen nicht anmerken.

Satirefutter mit Ablaufdatum

Ironischerweise traf der abgetretene Karpi mit seinem Säuglings-Gebrabbel eher den Nerv des Abstimmungswochenendes als Dominic Deville und sein Team. Der Startzeitpunkt der zehnten Staffel hätte für ein sich mit Aktualitäten fütterndes Fernsehformat nämlich nicht ungünstiger liegen können. Die vor dem Abstimmungssonntag aufgezeichnete Show war am späten Sonntagabend nur der traurig-angefaulte Unterhaltungs-Wurmfortsatz der hochaktuellen Abendnachrichten. Die stets souveräne TV-Anwältin Michelle Kalt konnte nur einen strengen Blick auf die längst ausgelutschte Anti-­Corona-Demo in Zürich werfen («an der Corona-Demo halten nicht mal die Toitoi-Häuschen den Mindestabstand ein»).

Geradezu bezeichnend, dass sich in der über die SRF-Mediathek abrufbaren Fernsehaufzeichnung Ton und Bild asynchron zueinander verhielten. «Deville» muss seinen Groove also erst wieder finden. Vor allem muss das Fernsehen klären, wer die Rolle des Sidekicks nach dem Weggang von Karpi übernimmt. Produzentin Marike Löhr sprang gestern in die Bresche, sie durfte allerdings nur bescheiden in der Zuschauerecke sitzen – wohl ein Hinweis darauf, dass man beim SRF noch nicht sicher ist, ob ihr unterkühlter Humor die rechte Antwort auf Karpis mädchenhaften Charme sein wird.

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Autor

Julia Stephan

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