Auszeichnung

Alex Capus erhält den Solothurner Kunstpreis: Er macht das Leben literarisch und gut

Schriftsteller Alex Capus.

Schriftsteller Alex Capus.

Fünf Gründe, warum man die Bücher des vielseitigen Schriftstellers aus Olten lesen sollte.

1 Das Leben ist gut und mit Liebe gesättigt

Wer glücklich ist, schreibt nicht. Dieses uralte Klischee zieht sich durch unzählige Interviews mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern. Literatur erzählt denn auch meist von Scheitern, Verlust, Unvermögen. Literatur zieht das Unglück magisch an. Alex Capus ist da eine Ausnahme. Bei ihm gelingt das Leben und die Liebe. Meist. Wer ohne das Abgleiten in Kitsch einen Roman mit «Das Leben ist gut» titeln kann, wird seine Leserinnen und Leser glücklich machen. Da kann es ihm auch egal sein, dass er noch nie für den Schweizer Buchpreis nominiert war.

2 Als Trüffelhund findet er historische Leckerbissen

Seit seinem ersten Roman «Munzinger Pascha» gräbt der studierte Historiker Capus skurrile, überraschende, ihre Zeit pointiert erhellende historische Figuren aus. Er schreibt aber nicht einfach Historienromane, sondern baut meist einen Dialog mit der Gegenwart ein und reflektiert das Erzählen mit. Das ist dann dreifach anregend.

3 Ein Hochbegabter findet die besten Verlage

«Hier Keel, Diogenes-Verlag. Wir sind an ihrem Buch interessiert.» Wer als Journalist und nach einem ersten Erzählband 1994 ein solches Telefonat vom grössten Schweizer Literaturverlag bekommt, der muss hochbegabt und trotzdem lesbar sein. Und wer nun seit Jahren sogar im exquisiten Hanser Literaturverlag veröffentlicht (dort erscheinen eigentlich lauter tolle Bücher), ist ein Garant für kunstvolle und lesbare Gegenwartsromane.

4 Ein Erzähler mit schwebender Heiterkeit

Das Leben ist selbst dann keine Hölle, wenn man auf die Liebe seines Lebens verzichten muss. Im erstaunlichen Bestseller «Léon und Louise» gelingt Capus dieses vermeintliche Paradoxon. Getrennt durch Weltkriege, wiedergefunden durch Zufall, neuerlich getrennt durch die Ehe des anderen, aber im Alter doch noch vereint: Zu viel Optimismus und Lebensweisheit? Nein, Alex Capus hat einen untrüglichen Sinn für die Würde des Lebens, der ihm die schwebende Heiterkeit im Erzählen ermöglicht.

5 Brillanter Porträtist mit leichter Feder

Ob Firmenboss oder Dienstmagd, ob Gärtnergehilfe oder Patriarch – Alex Capus beschenkt uns immer wieder dank seiner scheinbar unersättlichen Neugier mit Miniporträts. Ohne ihn hätte man wohl nie von der «gottesfürchtigen Bauersfrau» Veronika Gut aus Stans erfahren, die nach dem Franzoseneinfall 1798 zur Waffenschmugglerin und Gotteskriegerin geworden ist. Und obwohl man vom Waffenproduzenten Emil Bührle einiges weiss, liest man im Buch «Patriarchen» gerührt und auch zufrieden, dass dieser in keine Zürcher Zunft aufgenommen worden ist.

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Autor

Hansruedi Kugler

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