Andermatt
Das Swiss Alps Classics feiert sein fünfjähriges Bestehen mit bekannten Gästen und aussergewöhnlichen Programmen

Für Prominenz und junge Talente unter den auftretenden Musikern sorgt der künstlerische Leiter Clemens Hellsberg, ehemaliges Vorstandsmitglied der Wiener Philharmoniker.

Urs Mattenberger
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Quasifamiliäre Festivaltraditionen: Der Geiger Emmanuel Tjeknavorian kehrt als Moderator und Dirigent ans Swiss Alps Classics zurück.

Quasifamiliäre Festivaltraditionen: Der Geiger Emmanuel Tjeknavorian kehrt als Moderator und Dirigent ans Swiss Alps Classics zurück.

Bild: Lukas Beck

Das Kammermusik-Festival Swiss Alps Classics feiert seine fünfte Jubiläumsauflage vom 2. bis 5. Juni unter dem Motto «Variationen zum Thema Musik».

Variation bedeutet dabei auch, dass man Künstlerinnen und Künstlern, die das Festival in den vergangenen vier Jahren geprägt haben, in veränderter Form wiederbegegnet.

Denn ein Merkmal des Festivals sind nicht nur namhafte Musiker wie der Geiger Emmanuel Tjeknavorian, die Sopranistin Marisol Montalvo und die Pianistin Maria Radutu, sondern auch spannende thematische Programme, in denen sie auftreten.

Für Prominenz und junge Talente unter den auftretenden Musikern sorgt der künstlerische Leiter Clemens Hellsberg. Als ehemaliges Vorstandsmitglied der Wiener Philharmoniker bringt er langjährige Erfahrungen und Kontakte ans jüngste Festival mit, das mit einem Zentrum in Andermatt den Gotthard­raum bespielt.

Von Revolten und verlorenen Lieben

In dieser Corona-Ausgabe hat zwar die Einhaltung des Schutzkonzepts auch beim Swiss Alps Classics höchste Priorität. Deshalb fehlen ausgefallene Spielorte wie in früheren Jahren der Kristallraum Sasso San Gottardo (einst mit der Schauspielerin Isabel Karajan) oder die Mittelstation Nätschen (mit dem Duo Labèque). Dafür wird der geografische Radius ausgeweitet. So finden diesmal zwei Konzerte in Andermatt – im Hotel The Chedi und in der Konzerthalle – und je eines in Vitznau und sogar in Disentis statt.

Kontinuität mit Überraschungen prägt also diese Jubiläumsausgabe. Für beides steht das Konzert mit Young Artists der Lang Lang International Music Foundation.

Lanciert hatte diese Tradition am Festival einst der Starpianist Lang Lang persönlich. Aber jedes Jahr stellen sich hier neue junge Künstler vor.

Avery Gagliano spielt Werke von Beethoven (Sonate Es-Dur, op. 27.1 «Quasi una fantasia») und Chopin, Amir Siraj Beethoven (die späte Sonate e-Moll op. 90) und Liszt. Im Duo interpretieren sie zudem Schuberts Sonate B-Dur für Klavier zu vier Händen D 603 (Mittwoch, 2. Juni, 18.00, Park Hotel Vitznau).

Eine ganz eigene Geschichte erzählt die Pianistin Maria Radutu unter dem Titel «Phoenix». Die musikalische Gestaltung einer Wiedergeburt führt hier von der Ouvertüre mit einem Prélude von Chopin über «Passion» (Strawinskys) und «Acceptance» (aus Glucks «Orfeo») bis zu Eigenkompositionen zum Thema «Rebirth». Es gehe ihr darum, «viele verschiedene emotionale Welten zu erkunden – von der jugendlichen Revolte über die verlorene Liebe bis zu einem pianistischen Höhepunkt, wenn wir am Ende Souveränität und Balance finden» (Donnerstag, 3. Juni, 19.30, Hotel The Chedi Andermatt).

Autobiografische «Mad Scene» zum Abschluss

Den Charakter eines Festivals der Freunde, der viele Kammermusikfestivals auszeichnet, unterstreicht der Ausflug nach Disentis (Freitag, 4. Juni, 19.00, Klosterkirche).

Der Geiger Emmanuel Tjeknavorian kehrt bei seinem dritten Auftritt am Festival als Dirigent des festivaleigenen Swiss Alps Chamber Ensemble zurück. Mit dem Cellisten – und Sohn des Festivalleiters – Benedikt Hellsberg und der Sopranistin Marisol Montalvo gestalten sie ein Programm mit Bach und Händel sowie Haydn und Mozart.

«Die Verbindung von Musik als der flüchtigsten aller Künste mit einem sakralen Raum, also der Versinnlichung von Ewigkeit, zählt zu den stärksten Eindrücken», begründet Hellsberg diesen Abstecher in die Klosterkirche.

Zu einem besonderen Abschluss verhilft die Sopranistin dem Festival am Samstag, 5. Juni, 18.30, in der Konzerthalle Andermatt. Die autobiografische One-Woman-Show «Mad Scene» der US-Amerikanerin mit puerto-ricanischen Wurzeln handelt von ihrem Leben und davon, wie sie zur Opernsängerin geworden ist – «mit all den Herausforderungen und verrückten Umständen, die mir auf meinem Weg begegnet sind», sagt sie. Die Sopra­nistin gilt als eine der führenden Interpretinnen vor allem zeitgenössischer Musik und brillierte beispielsweise in der Titelrolle von Alban Bergs Oper «Lulu» in Basel. Montalvo singt und erzählt, am Klavier begleitet von Werner Lemberg, auf Englisch. Aber die Einführung mit Clemens Hellsberg, Marisol Montalvo und Werner Lemberg findet zuvor in deutscher Sprache statt (17.30).

Swiss Alps Classics, 2. bis 5. Juni: Informationen zum Hygienekonzept werden kurz vor dem Festival auf der Website www.swissalpsclassics.ch aufgeschaltet. Da finden sich auch alle Information zum Programm und Ticketverkauf über www.ticketcorner.ch