Auf ein Wort Kolumne

«Auf ein Wort»: Wenn sich in der Schweiz Schüler «müpfen», dann ... sie einander

Unser Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Unser Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Die Mundartkolumne von Niklaus Bigler diesmal zu einer Handlung, die in der Schweiz mit mehr als 20 verschiedenen Dialektwörtern beschrieben werden kann.

An vielen Orten der deutschen Schweiz nennt man einen Stoss mit der Hande Schupf, und das entsprechende Verb heisst schüpfe oder (besonders im Osten) schupfe.

Das Wort ist, wie auch das hochdeutsche Schubs, von schieben abgeleitet. Wer von den andern nicht wahrgenommen wird, ist verschupft, gleichsam verstossen. Manche alten Dächer haben Schüpf- oder Schupfrafe, das sind eingeschobene Sparren, die den weniger steilen unteren Dachteil, das Schupftach, tragen.

Neben schüpfe findet man in den einzelnen Dialekten viele weitere Ausdrücke. Verbreitet ist Mupf und müpfe; es kommt vor allem in den Kantonen Bern und Freiburg vor, mit vereinzelten zusätzlichen Belegen im Luzernischen und im Jura.

In der Zentralschweiz gibt es den Pungg mit dem Verb pungge. Ein Schwyzer Schüler soll im Aufsatz geschrieben haben:

Ich könnte jetzt noch anfügen, dass im Wallis puffe und in der Ostschweiz pütsche gesagt wird, aber eine vollständige Auflistung ist in diesem Rahmen unmöglich: Die Karte des Sprachatlasses braucht zwanzig verschiedene Symbole für die verschiedenen Ausdrücke, und an vielen Orten kommen davon zwei oder drei gleichzeitig vor.

Auch inhaltlich gibt es Unterschiede: Wie stark so ein Stoss ist, hängt auch vom Temperament und der Kraft der austeilenden Person ab, vor allem aber vom beabsichtigten Zweck.

Um jemanden auf sich aufmerksam zu machen, genügt ein Schüpfli oder sogar nur ein leichtes Antippen mit dem Finger. Dem sage ich stüpfe, aber im Emmental, auch bei Gotthelf, heisst das ebenfalls müpfe.

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