Geistschreiber
Kurz, hoitlos

Mit spitzer Feder kommentiert der Geistschreiber das Geschehen in der Region, im Land, ja auf der ganzen Welt.

Willi Näf
Willi Näf
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Versehentlich mehr als nur die Haare geschmiert: Sebastian Kurz.

Versehentlich mehr als nur die Haare geschmiert: Sebastian Kurz.

Christian Bruna/EPA

Ach, liebes Österreich! Er ist doch noch jung, dein Sebastian. Da schmiert man halt mal versehentlich mehr als nur die Haare. Das passierte selbst grossen Staatsmännern wie Donald Trump oder Silvio Berlusconi, gell. Des Kaisers Schmarren darf man ja auch mal nach bananenrepublikanischer Rezeptur anrichten, und sowieso: Mit Steuergeldern Inserate zu kaufen ist Presseförderung. Der Kurz kann doch nichts dafür, wenn die Blätter dann zum Dank flotte Texte und Jubelumfragen publizieren, dagegen ist er machtlos.

Trotzdem hat der Kanzler den Welpenblick aufgesetzt und nicht etwa «Die Anschuldigungen sind hoitlos» gesagt, sondern nur «Ich bin überzeugt, dass die Anschuldigungen sich als hoitlos herausstellen werden». Klingt ähnlicher als es ist. «Hoitlos» ist das alles sicher. Sposs muas sei, wird die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) sich gedacht haben, mochma Rambazama mit a hoitlose Razzia in Kanzleramt, Finanzministerium und Parteizentrale. Dann hat sie eine hundert Seiten dicke hoitlose Durchsuchungsanordnung formuliert und hoitlos richterlich absegnen lassen.

Und alles nur, weil sie 2019 bei den hoitlosn Casino-Ibiza-Strache-Ermittlungen das Handy des Kurz-Vertrauten und Chefs der Staatsholding ÖBAG Thomas Schmid sicherstellten, der seine Chats in den Tagen zuvor zwar gelöscht hatte – hoitlos, versteht sich – nur leider das Backup nicht. Immer diese Backup-Sorgen.

Nach seinem Rücktritt als Kanzler dachte ich, jetzt geben sie Kurz Saures statt Süsses – bald ist Hallo Wien – und dann zieht er nach Berlin und behebt den deutschen Kanzlermangel, er wäre nicht der erste. Stattdessen wählte Österreichs Vereinte Peinlichkeit (ÖVP) ihn zum Friktionschef. Einstimmig. Wohl zum Dank, dass er die Übergangsregierung gleich selber gebildet hat, weil eine Regierung nun mal Bildung braucht. Dem grünen Bundespräsident van der Bellen blieb nur das Knurren. Die Österreicherwitze, die wir uns in politisch unkorrekten Zeiten erzählten, hatten offenbar doch dokumentarischen Charakter.

PS, lieber Sebastian: Wenn sie Dich dann wieder zum Kanzler machen, denk an mich. 100'000 Euro Presseförderung pro wohlgesinnte Kolumne würden reichen. Ich mach keine Backups, versprochen.

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