Literatur
Kriminalroman am Puls von Basel: Ein toter Bankier und ein toter Klimaschützer

In «Basler Gleichstand», dem neuen Buch des Basler Autors Wolfgang Bortlik, bringen unter anderem zwei Erschossene die Polizei am Wochenende des 1. August zum Grübeln.

Elodie Kolb
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Wolfgang Bortlik hat bereits diverse Bücher geschrieben.

Wolfgang Bortlik hat bereits diverse Bücher geschrieben.

zvg/Pino Covino

Basel steht «am Rande des Ausnahmezustands»: Neben politischen und gesellschaftlichen Angelegenheiten wie den Bettlerinnen und Bettlern, der Coronapandemie und der Klimastreiks werden inmitten des Geböllers und Gelärme um den 1. August zwei Männer erschossen. Und diese beiden Opfer in «Basler Gleichstand», dem neuen Kriminalroman des Basler Autors Wolfgang Bortlik, sind nicht irgendwelche Basler.

Balthasar Rauchfuss, Lehrer und Politiker des Vertrauens der Klimastreikenden und Mann mit düsterer Vergangenheit, hängt mit einem Bauchschuss über einem Relief am Kleinbasler Rheinufer, direkt gegenüber dem Münster. Nur wenige Stunden später erreicht Kriminalkommissar Gsöllpointner bereits die Nachricht über einen zweiten Toten: Der Geschäftsführer einer Privatbank, Martin Rübsamen, liegt tot bei der Tramschlaufe beim Eglisee. Und zwar, kurz nachdem zwei Jugendliche der Klimabewegung diesen aus einer spontanen Laune heraus entführt hatten.

Ein Abbild der Debatten in Basel

Gleichstand sei das, findet Hobbydetektiv Melchior Fischer: «Ein Klimaschützer hinüber, ein Klimasünder ebenso.» Von Unbekannten an Wände der Stadt gesprayte «1:1» verdeutlichen dies. Der Roman ist bereits der vierte Bortliks mit Fischer – der allerdings durch seinen klimastreikenden Sohn in diesem Fall unfreiwillig «tief im Morast steckt».

Durch die Konstellation im politischen und gesellschaftlichen Leben Basels greift Bortlik verschiedenste Debatten wie etwa Kritik an der Staatsanwaltschaft, Pressmülleimer am Rhein oder die Besetzung der Banken mehr oder minder subtil auf und verwebt sie in seine Kriminalgeschichte.

Doch inwiefern hängen die beiden Morde zusammen? Sind sie überhaupt politisch motiviert? Und welche Rolle spielen die Angriffe auf einen Jungjournalisten, einen Musikveranstalter aus dem Kleinbasel und einen Beamten? Es sind viele komplexe Stränge, die Bortlik auf nur 250 Seiten auslegt, die in der kleinen Stadt Basel an unterschiedlichen Stellen zusammenlaufen.

Dennoch überspitzt Bortlik hin und wieder oder fällt in Klischees, wenn etwa alle Jugendlichen im Roman bei der Klimajugend sind und der eine oder andere selbstredend Gras im eigenen Garten anbaut. Weibliche Figuren derweil haben nur am Rand Platz, etwa als Ehefrau oder Ex-Frau. Hin und wieder zeigt Bortlik allerdings auch sein sprachliches Feingefühl, wenn er etwa Floskeln ironisch einbaut und etwa dem Kapitalismus zuschreibt, «doch nicht das Patentrezept zu sein. Ausbeutung, Zerstörung und Diskriminierung statt Friede, Freude, Eierkuchen».

Gute Unterhaltung trotz Komplexität

Die zunächst simpel erscheinende Situation um die beiden Toten gegensätzlicher Lager stellt sich allerdings als deutlich komplexer heraus, als ein Österreicher mit dem Namen «der Chris» auftritt, eine Organisation mit dem Namen Viva und ein Mann in Schwarz. Die Auflösung der beiden Mordfälle bleibt spannend bis auf die letzten Seiten – bekommt dann aber für die ganze Komplexität des Kriminalromans doch etwas wenig Platz.

«Basler Gleichstand» ist ein spannender Krimi, der jedoch zuweilen die Tendenz hat, sich etwas zu verzetteln. Dennoch unterhält Bortlik gut – insbesondere die Baslerinnen und Basler, die trotz Hinweis auf ausschliesslich zufällige Ähnlichkeiten vielleicht die eine oder andere Figur aus Basel entfernt wiedererkennen.

Wolfgang Bortlik: Basler Gleichstand. Kriminalroman.
Gmeiner Verlag 2022, 250 Seiten. Vernissage am 5. September im Kulturhaus Bider & Tanner.

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