Queerbeet
Ein Basler Gleichstellungsgesetz für LGBTI-Menschen ist gut – aber wann hören die Beleidigungen am Rheinufer auf?

In seiner neuen Kolumne schreibt der 18-jährige Buchblogger Josia Jourdan über queere Vielfalt.

Josia Jourdan
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Am Rheinufer musste Kolumnist Josia Jourdan schon mehrfach Queerfeindlichkeit erleben.

Am Rheinufer musste Kolumnist Josia Jourdan schon mehrfach Queerfeindlichkeit erleben.

Symbolbild: Roland Schmid

Basel beschliesst, das Gleichstellungsgesetz auf LGBTI-Menschen auszuweiten, und setzt damit ein klares Zeichen. Was sich mit dem Gesetz für die LGBTI-Community ändern wird, ist noch nicht ganz klar. Die Rede ist von finanzieller Unterstützung für Anlaufstellen und Beratungen.

Ich bin froh über jede politische Entscheidung, die ein Zeichen für mehr Gleichberechtigung und gegen Dis­kriminierung setzt. Basel geht als erster deutschsprachiger Kanton in der Schweiz mit gutem Beispiel voran, gleichzeitig wird aber aktuell in den Medien, bei Podiumsdiskussionen und beim Familienessen ernsthaft darüber diskutiert, ob ich eines Tages heiraten darf. Und ob ich die gleichen Rechte haben soll wie Personen, die in Hetero-Beziehungen leben.

Die Schweiz sieht sich oft als fortschrittlich, wir sind aber noch weit davon entfernt, Gleichberechtigung in Bezug auf Sexualität und Geschlechteridentität erreicht zu haben. Weltweit sieht es nicht besser aus. In Afghanistan müssen nicht nur Frauen um ihre Sicherheit fürchten, auch LGBTI-Personen sind in ­Lebensgefahr. Ständig und überall müssen wir für unsere Rechte kämpfen. Das Recht zu lieben, zu heiraten. Ja, manchmal nur schon für das Recht zu existieren und nicht ermordet zu werden.

«Die pinke Linie» zeigt Kämpfe der Betroffenen

Der südafrikanische Autor Mark Gevisser schreibt in seinem Buch «Die pinke Linie» über genau diese Kämpfe. Dafür hat er Interviews geführt, Menschen getroffen und Akten einge­sehen. Er gewährt uns Ein­blicke in verschiedene Teile der Welt und zeigt, dass jeder Mensch eigene Kämpfe hat und es nicht nur einen Kampf gibt, der gewonnen werden muss.

Dabei thematisiert Gevisser die Globalisierung und ihren Einfluss auf die LGBTI-Community, aber auch, wie die Kolonialisierung dafür gesorgt hat, dass in vielen afrikanischen Ländern Homosexua­lität überhaupt erst illegal ­wurde. «Die pinke Linie» verknüpft Wissen mit emotionalen Geschichten und lässt bewusst werden, wie viel auf dieser Welt noch getan werden muss, bis Gerechtigkeit herrscht – falls dies denn überhaupt je möglich ist.

Ein positives Zeichen für eine tolerantere Politik

Basel versucht, diesem Ziel wenigstens einen Schritt näherzukommen, gleichzeitig frage ich mich, was mir diese Gesetzeserweiterung im Alltag bringen wird. Solange ich am Rheinufer immer noch regelmässig beleidigt werde und Queerfeindlichkeit als Meinung angesehen wird, bringt mir auch ein Gleichstellungsgesetz nur bedingt etwas.

Trotzdem ist es ein positives Zeichen für eine tolerantere Politik und einen gesellschaftlichen Wandel. Gewonnen ist der Kampf für Gleichberechtigung aber weder mit dieser Entscheidung noch mit einem hoffentlich deutlichen Ja zur Ehe für alle am 26. September. Solange ein Buch wie «Die pinke Linie» als Zeitdokument existiert und ich gewisse Länder selbst in Europa aus Sicherheitsgründen nicht bereisen würde, werden wir weiterhin für unsere Rechte einstehen müssen.

Josia Jourdan stellt in seinem queeren Buchklub «Das Pinke Sofa» monatlich ein Buch vor. Mehr Informationen auf Instagram @daspinkesofa.

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