Basler Jazzfestival
Schwedischer Besuch in den Wäldern Norwegens am «Offbeat»

Nils Landgren und Jan Lundgren widmen sich beim Offbeat-Auftritt im Basler Volkshaus dem Kammerjazz nordischer Prägung. Auch Abstecher zu den Beatles durften am Dienstagabend nicht fehlen.

Michael Gasser
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Pianist Jan Lundgren und Posaunist Nils Landgren im Volkshaus Basel.

Pianist Jan Lundgren und Posaunist Nils Landgren im Volkshaus Basel.

J.J. Schaffner

Als sich Nils Landgren 2016 zu seiner Leonard Bernstein-Hommage «Some Other Time» anschickte, war auch Jan Lundgren mit von der Partie. Dabei müssen die zwei Schweden Geschmack am Zusammenspiel gefunden haben. So sehr, dass sich der Posaunist und der Pianist zu einem Duo-Werk ­namens «Kristallen» (2020) wieder­trafen.

Im gut gefüllten Basler Volkshaus ziert dieses am Dienstagabend das Programm von Offbeat und dessen Veranstalter, Urs Blindenbacher, weiss: «Es ist zwanzig Jahre und fünf Monate her, seit Nils Landgren bei uns zu Gast war.» Eine erstaunlich lange Zeit, doch die beiden Musiker gehen auf der Bühne derart gemütlich zu­gange, dass man meinen könnte, es handle sich dabei um ihre langjährige Wohnstube. Worauf sie zunächst zu «Norwegian Woods» von den Beatles an­setzen.

Der Damenstrumpf über dem Fernseher

Das Stück von 1965 gedeiht in ihrer Version zu einer flüssigen und geschmeidigen Klanglandschaft, bei der Klavier und Posaune als gleichberechtigte Partner agieren. Während Lundgren fürs musikalische Setting und die oftmals melancholische Grundstimmung besorgt ist, kümmert sich sein zehn Jahre ­älterer Kompagnon um die Farbtupfer und bisweilen um den Gesang. Das Spiel der beiden ist geprägt von lyrischen Momenten, subtilen Rhythmuswechseln und grosser innerer Ruhe. Ihr Kammerjazz ist dem Pop nahe, spontan und raumergreifend.

Auf das erste Beatles-­Cover folgt mit «I Will» alsbald ein zweites, was Landgren damit erklärt, dass er mit der Musik der Liverpooler aufgewachsen sei. Die Beatles hätten ihn mitunter sogar dazu gebracht zu versuchen, aus dem elterlichen Schwarz-Weiss-TV farbiges Fernsehen hervorzuzaubern. «Doch mein Experiment mit einem Damenstrumpf hat leider nicht funktioniert», räumt der 65-Jährige in makellosem Deutsch ein. Ob sein Markenzeichen heute wohl deshalb keine blechfarbige, sondern eine rot leuchtende Posaune ist?

Eleganz, Melancholie und delikate Grooves

Zu den Highlights des rund einstündigen Konzertes zählen nebst der Jimmy-Webb-Ballade «Didn’t We», bei dem Landgren seine Gesangsfähigkeiten und seiner schier perfekte Intonation unter Beweis stellt, auch das auf einem schwedischen Wiegenlied basierende «Bysann Lull». Der Song, der stellen­weise an den US-Traditional «All the Pretty Little Horses» ­erinnert, verbindet Eleganz mit Melancholie und versteht es, mit delikaten Grooves zu gefallen.

Nils Landgren und Jan Lundgren haben mit «Kristallen» (2020) ein gemeinsames Album eingespielt.

Nils Landgren und Jan Lundgren haben mit «Kristallen» (2020) ein gemeinsames Album eingespielt.

Steven Haberland

Nicht minder berührend ­zeigen sich das sanft swingende «Lovers Parade» aus der Feder von Jan Lundgren sowie eine elegante und von einem Hauch Nostalgie durchzogene Version von Abdullah Ibrahims «The Wedding». Es ist ein Set, das auf zerbrechliche Lieder fokussiert und gleichwohl von innerer Stärke zeugt. Die Kombination aus ­Klavier und Posaune mag zwar ungewohnt sein, ist jedoch überaus wirkungsvoll und beschert dem Publikum einen Auftritt von Erinnerungswert.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch das zweite Set, bei dem unter der Leitung von Jan Lundgren vier Musiker europäischen auf amerikanischem Jazz treffen lassen – und dabei ihre enorme Virtuosität zur Schau stellen.

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