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Berlinale will physisch stattfinden, Solothurner Filmtage wandern komplett ins Netz – warum?

Solothurner Filmfestival findet wegen Corona nur virtuell statt

Solothurner Filmfestival findet wegen Corona nur virtuell statt

Das Coronavirus hat uns gezeigt, dass von Sitzungen über Tanzshows bis hin zu "Home Kino" online fast alles möglich ist. Nun sollen auch die Solothurner Filmtage nur online, ohne Popcornduft und ohne Prominenz auf dem roten Teppich, über die Bühne gehen.

Die Solothurner Filmtage hatten für ihre 56. Ausgabe im Januar eine Mischform angestrebt, mit Veranstaltungen vor Ort und solchen im virtuellen Raum. Warum nun nur online? Das sind die acht wichtigsten Fragen und Antworten.

1. Wie werden die Solothurner Filmtage diesen Winter durchgeführt?

Am Donnerstag haben die Organisatoren informiert: Die 56. Ausgabe Ende Januar 2021 wird eine komplette Online-Ausgabe, sagte Filmtage- Direktorin Anita Hugi anlässlich einer Medienkonferenz im Solothurner Uferbau, die online übertragen wurde.

Vor ihrer zweiten Ausgabe der Solothurner Filmtage als Direktorin: Anita Hugi.

Vor ihrer zweiten Ausgabe der Solothurner Filmtage als Direktorin: Anita Hugi.

Das heisst: Sämtliche Wettbewerbe, Filme, das komplette Festivalprogramm inklusive Diskussionsrunden, finden im virtuellen Raum statt.

2. Warum online?

Der Entscheid fiel natürlich aufgrund der Pandemie. In Solothurn gilt zum Grossveranstaltungsverbot des Bundes eine zusätzliche Obergrenze von kulturellen Veranstaltungen von 30 Personen.

Das OK hatte angestrebt, wegen der einzelnen Veranstaltungen in den Kinos nicht als Grossveranstaltung definiert zu werden. Doch der Kanton habe den Filmtagen klar gemacht, diese als Grossveranstaltung zu verstehen, erklärte Filmtage-Präsident Felix Gutzwiller an der Medienkonferenz. «Damit war der Fall klar. Bis Ende Januar 2021 werden keine Grossveranstaltungen bewilligt.»

Die Filmtage finden statt vom 20. bis 27. Januar. Eine Verschiebung wurde zwar diskutiert, aber abgelehnt.

3. Das hat auch mit der Berlinale zu tun, die nur zwei Wochen später beginnt. Wie gehen die Berliner mit der Pandemie um?

Die Organisatoren der Filmfestspiele halten an ihrem Plan einer physischen Durchführung der Ausgabe 2021 fest. Seit Donnerstag können sich Journalisten akkreditieren. Was aber nicht heisst, dass die Berlinale dann im Februar auch tatsächlich wie geplant stattfindet.

4. Bis zum Beginn der Solothurner Filmtage im Januar vergeht doch noch Zeit. Mangelt es in Solothurn an Hoffnung, dass vorher gelockert wird?

Nein. Lange hiess es, man plane eine hybride Version, möchte also zumindest mit einem Teil des Festivalprogramms physisch, vor Ort stattfinden. Direktorin Hugi sagte es so: «Angesichts der Pandemieentwicklung und den Schutzmassnahmen machen wir die ursprünglich als Spielbein gedachte Online-Edition nun zu unserem festen Standbein.» Immerhin: Stand jetzt planen die Verantwortlichen Filmvorführungen im kleinen Rahmen. Auf Nachfrage sagte Filmtage-Präsident Felix Gutzwiller:

Sprich, in wenigen kleineren Stadtkinos sollen Filme für ein kleines Publikum trotz allem gezeigt werden. Klar ist jetzt aber schon, in den grössten Treffpunkten, dem Landhaus etwa, wird es leer bleiben.

5. Was heisst das fürs ­Publikum?

Diese wenigen physischen Veranstaltungen sind für die Solothurnerinnen und Solothurner bestimmt. Filmtage-Präsidentin Anita Hugi sagte:

Seit Mai ist eine Online-Filmplattform im Aufbau, wie Hugi sagte. Darüber sollen die virtuellen Festivalgängerinnen und -gänger die Filme und Diskussionen bequem ins Wohnzimmer streamen können. Genaues wurde dazu noch nicht gesagt, ausser, dass die Plattform am Exklusivitätsfaktor eines Festivals nichts ändern soll. Die Filme werden also begrenzt abrufbar sein, sowohl mengenmässig als auch zeitlich. Es wird bestimmte Startzeitpunkte geben und der «Eintritt» wird kosten.

6. Welche Auswirkungen hat das fürs Programm?

Wenig, stützt man sich auf die Organisatoren. Hugi, die derzeit am Programmieren ist, nannte 651 eingereichte Filme. Das sind sogar 35 mehr als letztes Jahr. Zum Programm sagte die Direktorin noch nicht viel. Eröffnungsfilm und Programmdetails werden für Dezember/Januar erwartet.

Hugi sagte, die Auswirkungen der Pandemie auf das weltweite Filmschaffen mit verzögerten Produktionen und Kinostarts hätten noch keine Folgen auf das Programm der Solothurner Filmtage gezeigt. Im Gegenteil: Es seien nun Filme eingereicht worden, die an Festivals ihren Auftritt gehabt hätten, die pandemiebedingt ins Wasser fielen.

7. Wie reagiert die Solothurner Wirtschaft?

Vor allem für das Solothurner Gastgewerbe ist der Entscheid, dass die Filmtage nur online stattfinden, ein harter Schlag, auch wenn er für niemanden überraschend kommen kann. Die Kneipen sind während der Filmtage üblicherweise der Treffpunkt. Das fällt dieses Jahr komplett weg. «Wir bedauern das sehr, haben aber vollstes Verständnis», heisst es dazu beim «Kreuz», das während der Filmtage im Normalfall einen guten Teil des Jahresumsatzes erwirtschaftet.

8. Gibt es Neuerungen?

Tessiner Filmpionier: Villi Hermann.

Tessiner Filmpionier: Villi Hermann.

Neben einer neuen Website und der Filmplattform kündigte Direktorin Hugi weitere Neuerungen an. Allen voran einen Preis für Erstlings-Langfilme. Für diesen «Opera Prima» kürt eine Jury aus mehreren bestehenden Wettbewerben einen Film. Die neue Sektion «Im Atelier» stellt den filmischen Schaffensprozess ins Zentrum. Die diesjährige «Rencontre» ist dem Tessiner Villi Hermann gewidmet. Der bald 80-Jährige präge das Schweizer Filmschaffen seit über 50 Jahren, so Hugi.

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