Betriebsklima
Mehr als ein Viertel der Mitarbeitenden am Opernhaus Zürich erlebte bereits Machtmissbrauch

Das Opernhaus Zürich hat in einer Blitzumfrage seine Mitarbeitenden betreffend des Arbeitsklimas befragt. Es steht nicht gut um das Haus, das mit 80 Millionen vom Kanton subventioniert ist.

Christian Berzins
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27 Prozent der Mitarbeitenden im Opernhaus haben Machtmissbrauch erlebt: 39 Personen einmal, 111 mehrmals und 23 regelmässig.

27 Prozent der Mitarbeitenden im Opernhaus haben Machtmissbrauch erlebt: 39 Personen einmal, 111 mehrmals und 23 regelmässig.

Dominic Büttner / Opernhaus Zürich

Dieser Befreiungsschlag ging nicht so weit, wie sich das Opernhaus gewünscht hatte. Vor kaum einer Woche verschickte man an 781 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einen Fragebogen, da festgestellt werden sollte, wie es um das Betriebsklima im Haus steht.

Hintergrund der überstürzten Aktion ist ein Interview, das am 7. April in der SRF-Sendung «Kulturplatz» ausgestrahlt werden soll. Darin will eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter über das schlechte Arbeitsklima berichten. Es wären unhaltbare Vorwürfe für einen Betrieb, der mit 80 Millionen vom Kanton unterstützt wird und von zwei Schweizer Grossbanken und anderen Grossfirmen Sponsorengeld erhält.

Nun liegen die Resultate vor. 649 Personen nahmen an der Umfrage teil, das sind rund 83 Prozent der Befragten bzw. der Mitarbeitenden (49 Prozent Frauen, 51 Prozent Männer).

Anderen bewusst schaden oder sie schikanieren

Es gibt Fragen zum allgemeinen Klima (73 Prozent der Befragten empfinden die Arbeitsatmosphäre am Opernhaus Zürich als positiv), aber spannend wird es beim Thema «Machtmissbrauch». Er wurde in der Umfrage deutlich definiert als «das Ausnutzen einer Machtposition, um anderen bewusst zu schaden, sie zu schikanieren oder sich selbst persönliche Vorteile zu verschaffen».

Erschreckende 27 Prozent, also mehr als jeder Vierte, hat im Opernhaus solcherlei erlebt. 39 Personen einmal, 111 mehrmals und 23 regelmässig.

Von den 649 Befragten haben 118 Personen Schikanen erlebt, gefolgt von dem Verschaffen persönlicher Vorteile (59 Personen). 44 Mitarbeitende empfanden, dass ihnen bewusst geschadet werden sollte. Als Hauptverursacher sahen 130 der Befragten ihre Vorgesetzten, gefolgt von Kollegen und Kolleginnen (54 Personen) und Gästen (viele arbeiten allerdings regelmässig am Haus): Dirigenten oder Dirigentinnen, Regisseure wie Regisseurinnen und Choreografen wie Choreografinnen (46 Personen).

Von 649 Befragten sind 79 Personen (12 Prozent) in den letzten drei Jahren von Belästigung betroffen gewesen. 12 Mitarbeitende haben sich einmal belästigt gefühlt, 59 mehrmals und 8 Personen regelmässig.

Ein Fünftel kennt den Verhaltenskodex zu sexueller Belästigung nicht

Häufigste Art der Belästigung ist die verbale Belästigung, von der 58 der Teilnehmenden berichtet haben. Gefolgt von der non-verbalen Belästigung (Blicke, Gesten), die 46 Personen erlebt haben. Von körperlicher Belästigung haben 20 Befragte berichtet, und 8 Mitarbeitende wurden schriftlich/bildlich belästigt. 43 Mitarbeitende haben sich von Vorgesetzten, 42 von anderen Kollegen und 18 Mitarbeitende von Gästen belästigt gefühlt.

Das Opernhaus weiss, wie heikel das Thema heute ist: Vor drei Jahren hat man eine grosse Weiterbildungsinitiative für Führungskräfte und Mitarbeitende lanciert, die auf die zentralen Themen der Zusammenarbeit wie Konfliktmanagement, Achtsamkeit und Kommunikation fokussierte. Man hat Weisungen zu «Sexueller Belästigung» und «Mobbing und Diskriminierung» entwickelt, die als Verhaltenskodexe für alle bindend sind und Missstände präventiv vermeiden sollen. Ein Fünftel der Teilnehmenden kennen die Weisungen und Verhaltenskodexe des Opernhauses zu Machtmissbrauch und Belästigung nicht.

Zu Recht schreibt das Haus in der Medienmitteilung, dass jeder Fall einer zu viel ist. Kein Wunder, will man gemeinsam mit dem Personalrat zur weiteren Prävention Massnahmen entwickeln, um die Mitarbeitenden und Künstler aktiv vor Belästigung und Machtmissbrauch am Arbeitsplatz zu schützen und ein wertschätzendes und respektvolles Arbeitsklima zu schaffen.

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