Kunstkolumne
Bildbetrachtung von Sabine Altorfer – diese Woche: Das Lager von Amazon als Bildereignis

Die globale Warenflut verkörpert ein Name: Amazon. Dafür hat der deutsche Fotograf Andreas Gursky ein einmaliges, bildnerisches Denkmal geschaffen.

Sabine Altorfer
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Zeigt die Warenwelt echter als echt: «Amazon» (2016) von Andreas Gursky. Das riesige Foto hängt hier in der Hayward Gallery London, eine Angestellte klebt eine Abstandslinie für allzu begeisterte Besucher.

Zeigt die Warenwelt echter als echt: «Amazon» (2016) von Andreas Gursky. Das riesige Foto hängt hier in der Hayward Gallery London, eine Angestellte klebt eine Abstandslinie für allzu begeisterte Besucher.

Leon Neal / Getty Images Europe

Perfekt die Ordnung, geheimnisvoll der Inhalt. Es muss ein Lager sein, darauf verweisen die Gestelle im Hintergrund. Aber wer lagert Tausende Dinge so eng und schön gereiht? Wer hat so viel Platz? Niemand. Und doch ist es eine Fotografie, ein Abbild der Wirklichkeit.

Zur Person Sabine Altorferist Kulturredaktorin bei CH Media und schreibt primär über Bildende Kunst. Seit März 2017 verfasst sie jede Woche in der «Schweiz am Wochenende» eine Bildbetrachtung - passend zur Jahreszeit, aktuellen Ereignissen oder Werken, die sie besonders mag.

Zur Person Sabine Altorferist Kulturredaktorin bei CH Media und schreibt primär über Bildende Kunst. Seit März 2017 verfasst sie jede Woche in der «Schweiz am Wochenende» eine Bildbetrachtung - passend zur Jahreszeit, aktuellen Ereignissen oder Werken, die sie besonders mag.

Bild: CH Media

Die Lösung für diesen Widerspruch bringen der Werktitel «Amazon» und der Künstlername Andreas Gursky. Tatsächlich hat der deutsche Fotograf mit der Vorliebe für spektakuläre Grossformate im Lager von Amazon in Phoenix, Arizona 2016 fotografiert. An dem Tag im Jahr, als der Online-Gigant Inventur machte und die Dinge still standen. Natürlich werden die Bücher, Games und Spielzeuge nicht auf dem Boden ausgelegt, sie bleiben auf den Regalen. Diese haben Andreas Gursky, 65, und sein Team abschnittweise von einem Hubstapler aus fotografiert und die Tausenden Aufnahmen zu einem Bild verwoben.

Sie haben optisch – am Computer – die Wände und Regalbretter eliminiert und bieten uns freie Sicht auf die Warenmasse. Scharf bis in die hinterste Ecke und akkurat ausgerichtet. Die zwei mal vier Meter grosse Fotografie wirkt als Inbegriff der digitalen Möglichkeiten, aber sie erinnert in ihrer kleinteiligen Auflösung auch an pointillistische Gemälde des Impressionismus.

2016 wurde «Amazon» in einer grossen Ausstellung in Düsseldorf, wo Andreas Gursky studiert und gelehrt hat, erstmals präsentiert. Er erklärt hier wie er arbeitet.

Und in diesem zweiten Video von 2012 erklärt Beat Wismer, der damalige Direktor des Kunstpalastes Düsseldorf, wie wichtig Details in den überreichen Fotografien von Andreas Gursky sind.