Kultur

Brunch-Konzert im Gütsch: Zum Gipfeli gab’s ein musikalisches Wunder

Ein Ensemble um die Klarinettistin Clara Riccucci spielt am Sonntagmorgen im Salon des Château Gütsch Mozarts Klarinetten-Quintett.

Ein Ensemble um die Klarinettistin Clara Riccucci spielt am Sonntagmorgen im Salon des Château Gütsch Mozarts Klarinetten-Quintett.

Eine neue Konzertreihe im Château Gütsch zeigt, wie Musikerleben auch unter eingeschränkten Bedingungen weitergehen können. Für einen Höhepunkt sorgte am Sonntagmorgen die soeben preisgekrönte Klarinettistin Clara Riccucci.

Auf der Anrichte im grossen Salon des Château Gütsch ist das reichhaltige Frühstücksbuffet mit Kaffee und Gebäck noch immer aufgetischt. Die 50 zugelassenen Besucher sitzen an runden Familientischen, die schon durch ihre Grösse Corona-Abstände sicherstellen. Dazwischen sind Paare an kleinen Tischen separiert, für Konzertbesucher, die nur das Konzert besuchen, stehen einzelne Stühle bereit. Es ist ein Setting, das Distanz ebenso ermöglicht wie Austausch und Gespräche, wenn man – mit Maske – vom Buffet an seinen Platz zurückkehrt.

Aber alles ist wie ausgeblendet, wenn am Sonntag im ersten Brunch-Konzert im Gütsch hinten im Saal die Musiker Mozarts Klarinetten-Quintett anstimmen. Ja, weggeblasen vom ersten magischen Ton der Klarinettistin Clara Riccucci und den jungen Musikern (eine Frau, drei Männer), die sie in Streichquartett-Formation begleiten.

Auftrittsplattform startet mit Preisträger-Konzert

In das feierliche Gewebe der Streicher fädelt hier die hochmusikalische Klarinettistin ihre Melodien so flexibel ein, als wären es dehnbar atmende Linien. Ihr Ton tritt körperhaft hervor, wenn sie durch die Figurationen purzelt, und schwebt hypnotisch durch den langsamen Satz. Im Menuett weicht der zum Saal passende höfische Pomp einem ländlerischen Volkston. Im Finale liefern sich Riccucci und die erste Geige von José Luis Rubio virtuose Wettrennen. Wir hatten uns auf eines dieser Corona-Alternativformate eingestellt, die jetzt noch zugelassen sind, und erlebten ein musikalisches Wunder.

Möglich macht es der Kulturvermittler Urban Frye. Mit den Brunch-Konzerten stellt er, wie schon im Kulturhotel Bergsonne auf der Rigi, jungen Musikern eine weitere Plattform zur Verfügung, auf der sie zu Coronazeiten auftreten können.

Mit der Klarinettistin ging das im Gütsch über diese Hilfe zur Selbsthilfe hinaus. Denn Clara Riccucci hat soeben den Wettbewerb um den Edwin-Fischer-Preis gewonnen, mit dem alljährlich Studenten der Musikhochschule Luzern ausgezeichnet werden. Das Brunch-Konzert wurde so zum Preisträgerkonzert und zeigte, wie das Musikerleben auch unter den gegenwärtig eingeschränkten Bedingungen weitergehen kann. Das gilt zum einen für die Ausbildung. «Ich bin froh, dass die Musikhochschule Luzern weiterhin Präsenzunterricht zulässt», sagt die Klarinettistin, die nach dem Master in Performance jetzt das Orchesterdiplom absolviert: «Der direkte Kontakt mit Lehrern ist für mich als Musikerin ganz wichtig.»

Kulturhotel Bergsonne zieht weitere Kreise

Weiter geht es auch mit Auftrittsmöglichkeiten. So ist ein Konzert mit Riccucci demnächst in der Bergsonne geplant. Da treten auf der Rigi Musikstudenten auf, die in der «Music Box» leben, einem ebenfalls von Frye initiierten Wohnheim für Musikstudenten. Auch das zieht weitere Kreise: So tritt am nächsten Samstag in der Bergsonne der Pianist Konstantin Lifschitz auf, nachdem bereits etliche seiner Schüler hier gespielt haben.

Als ein Plus der Brunch-Konzerte selber erwies sich die Akustik, auch wenn sie das Blasinstrument begünstigte. Speziell zur Geltung kamen die Streicher im weiteren einstündigen Programm. Dieses führte den Weg in die Romantik, die Mozart mit der Klarinette vorzeichnete, weiter zu Heinrich Baermann. Dessen Adagio liess mit dem Flattern der Violinen (neben Rubio Marta Peno), von Viola (Inigo Armentia) und Cello (Luca de Falco) romantische Ruinenästhetik durch den Saal schwirren, bevor Franz Krommer das Konzert rasend virtuos ausklingen liess.

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