Kunsthalle Basel
Die Fahrt durchs glatte Aussen ins vertrackte Innen

Für die Regionale 16 hat das Kuratorenteam acht Positionen ausgewählt und gibt ihnen ausreichend Raum.

Christian Fluri
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Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Lotte Meret Effinger, Supernature, 2014, HD-Film
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Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Lotte Meret Effinger, Supernature, 2014, HD-Film
Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Rodrigo Hernandez, The Diversity of Today, 2015, Serie
Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Sarah Bernauer, Post-ABC, 2015, Film
Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Sarah Bernauer, Post-ABC, Gips, Kunststoff, Metall
Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Free Willi, Ruf der Freiheit, 2015, Verschiedene Materialien
Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Free Willi, Ruf der Freiheit, 2015, Verschiedene Materialien
Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Louise Guerra, Chapter 15 Sci-Fi Opera, Sleep Tracking App, Loop Station Island, 2015
Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Philipp Schwalb, Initiation IN..., 2012-2015
Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Louise Guerra, Chapter 15 Sci-Fi Opera, Sleep Tracking App, Loop Station Island, 2015
Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Philipp Schwalb, Initiation IN..., 2012-2015
Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Sarah Bernauer, Milky Ways, 2014 Film und Teppich
Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Lotte Meret Effinger, Surface-Glaze, 2015, 2K-Film
Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Lotte Meret Effinger, Surface-Glaze, 2015, 2K-Film

Die Regionale 16 in der Kunsthalle Basel Lotte Meret Effinger, Supernature, 2014, HD-Film

Kenneth Nars

Da spielt eine Bodybuilderin mit ihren aufgepumpten Muskeln im Wechsel mit dem Bild eines Reptils. Oder wir sehen Männer mit Hexenmasken durch den Wald tanzen; sie zelebrieren das Archaische, das sich in der Lächerlichkeit als blosse Wunschprojektion entpuppt. Oder da stehen ausgestopfte Wölfe vor einem Waldbild. Wo Natur aufscheint, ist Künstlichkeit. Die Videoarbeit «Supernature» von Lotte Meret Effinger führt den Besucher in die Regionale-Ausstellung der Kunsthalle Basel mit dem Titel «Jungs, hier kommt der Masterplan», dem Songtitel aus den 1990er-Jahren. Was uns dieses Video erzählt, könnte als eine Art ironisierter sozialer Masterplan unserer Gegenwart gelesen werden. Hier werden die Glanzbilder der kommerziellen Welt künstlerisch versiert, mit genial gesetzten harten Filmschnitten und mit hintergründigem Witz befragt und unterwandert. Die 30-jährige deutsche Künstlerin Lotte Meret Effinger ist eine Entdeckung.

Die Wirklichkeit ist das Bild

Die Künstlerin suchte für ihr Video nach Hexenbünden – und fand Männergruppen. Das allein erzählt schon viel über Männerfantasien. Die Künstlerin setzt diese gewieft und gewitzt ins bewegte Bild – im Wechsel mit dem Blick ins Zooaquarium mit Fischen. Was als Natur erscheint, stammt aus dem Zoo. Ein unglaublich starkes Video.

Das ist auch ihre zweite Arbeit im oberen Geschoss: «Surface Glace». Das Video ist eine erotische Reise über die Oberfläche eines Frauenkörpers und zugleich ein doppelbödiges Spiel mit unseren Fantasien. Die glatte Oberfläche wird aufgebrochen, die verstörenden Bilder führen unseren Blick ins eigene vertrackte Innen.

Das Intime wird öffentlich

Eine Entdeckung ist auch Sarah Bernauer. In der Installation «Milky Way» setzt sie sich mit einer Videoarbeit mit der im Internet gelebten Sexualität auseinander. Dabei verweigert sie gerade das pornografische Bild, nicht aber die Sprache. Auch sie spielt mit Männer- und Frauenfantasien und erzählt, wie diese im Internet in den öffentlichen Raum geschrien werden, obwohl im abgeschlossenen Raum geäussert.

Humorvoll und künstlerisch überzeugend sind auch die Installationen des Mexikaners Rodrigo Hernández. Seine silbernen Pappmasché-Wandobjekte «The Diversity of Today» erinnern an alte Kultgegenstände, sind aber Ergebnisse von Kopf-Wanderungen des Künstlers und ein Stück Alltagskultur. Wer genau hinschaut, entdeckt in einem Objekt plötzlich eine Pizza, die eine Pizza backt. Ein Objekt könnte eine Sphinx sein, aber es ist auch bloss ein verzierter Gegenstand. Die Objekte verlocken uns zum Rätselraten und lüften ihr Geheimnis nie ganz.

Da sich das Dreierteam um Kunsthalle-Direktorin Elena Filipovic auf acht Kunstschaffende beschränkt, kann sie ihnen grossen Entfaltungsraum bieten. Der Maler Philipp Schwalb nutzt den Oberlichtraum für eine Künstlerbiografie in Bildern, die die Entwicklung von Formen und Motiven transparent macht – das ist sein Masterplan. Im grossen Wandbild mit einer Adamsfigur mit rosaroter wortloser Sprechblase zeigt auch er mit Ironie, wie sich im hoch technisierten Alltag Individualität selbst in der Norm gefangen nimmt.

Kunsthalle Basel Regionale 16, noch bis 3. Januar 2016. Performance von Sophie Jung, im Rialto, am 20. Dezember.

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