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«Die Jungen sind nicht nur schlecht»

Kleine Rapper ganz gross: Auf der Saalbau-Bühne hat es für jeden Musikgeschmack Platz.

Jugendkulturtag

Kleine Rapper ganz gross: Auf der Saalbau-Bühne hat es für jeden Musikgeschmack Platz.

In den Gemeinden der Jugendarbeit «Kakerlak» ist er zum festen Bestandteil geworden: Der Jugendkulturtag in Kirchberg. Für die Schüler und deren Eltern soll es ein grosser Abend werden.

Julian Perrenoud

Die Kultur hat im Frühling Hochkonjuntkur. Tage-, nächte- und wochenlang wird sie in der Region an dutzenden Anlässen zelebriert. Seit nun mehr sieben Jahren hält auch im Raum Kirchberg der Jugendkulturtag der Jugendarbeit «Kakerlak» Einzug. Rund 250 Schüler laden kommenden Samstag, 16. Mai, ihre Eltern, Verwandten und Freunde in den Kirchberger Saalbau ein (Programm siehe Text unten).

Der Musikstil der Jungkünstler ist breitgefächert: Rock, Punk, Funk, Klassik. «Es hat für jeden etwas dabei», versichert «Kakerlak»-Mitarbeiter Rolf Gasser. Kriterien gibt es keine, erlaubt ist fast alles. «Was wir aber nicht tolerieren, sind rassistische oder gewaltverherrlichende Lieder.»

«Kakerlak» sorgt sich um die Organisation des kulturellen Abends. Das heisst: Programm, Raum, Licht, Ton, Logistik. Daneben hilft die regionale Jugendkommission beim Verkauf der Tickets und der Getränke mit.

Sie redet gern und viel

Vier Jugendliche werden das Publikum selbständig durch das Abendprogramm führen. Daniela Costa Pinto ist eine von ihnen. Am Jugendkulturtag moderiert sie bereits zum zweiten Mal. «Ich rede sehr gerne», sagt die 15-jährige Kirchbergerin. Sie wollte ihren Kolleginen beweisen, «dass ich auf einer grossen Bühne stehen und die Leute unterhalten kann.»

Das gefiel ihr letztes Jahr derart gut, dass sie sich heuer gleich wieder angemeldet hat. Die Sek-Schülerin gibt ihren Moderationskollegen auch schon einige Tipps für Samstag mit: «Schwierig ist es, spontan die Wartezeiten zu überbrücken. Vor allem aber darf man blöde Zwischenrufe aus dem Publikum nicht beachten.»

«Auftritt ist mit Ängsten verbunden»

Beim Jugendkulturtag gehe es nicht um Profit, ist Gasser überzeugt. Vielmehr sollen die Jugendlichen positive Erfahrungen auf der Bühne sammeln können. Er weiss, dass sie sich dafür überwinden müssen: «Ein solcher Auftritt ist mit Ängsten verbunden. Doch die Schüler werden mit gestärktem Selbstvertrauen daraus hervorgehen.»

Auch soll der Anlass ein besseres Licht auf die heutige Jugend werfen. Dieses sei nämlich - verursacht durch den medialen Druck - getrübt. Gewaltbereit, unmotiviert, konsum- und drogengefährdet, so ist vielerorts der Ruf der Jungen. Gasser: «Die Jugend ist nicht nur schlecht. Sie ist auch gut.»

Vom Kulturtag erwarten die Organisatoren aus finanzieller Sicht keinen grossen Gewinn. Die «Kakerlak»-Gemeinden stellen zudem eine Defizitgarantie sicher. Unter ihnen sind Kirchberg (inklusive Kirchgemeinde), Aefligen, Kernenried, Ersigen, Rüdtligen-Alchenflüh und Lyssach.

Die Besucher - daran zweifeln weder Jugendarbeiter noch teilnehmende Schüler - werden in Scharen kommen. In der Region sei der Kulturtag bestens verankert, sagt «Kakerlak»-Leiterin Tanja Savija. Seit vier Jahren organisiert sie diesen erfolgreich mit. «Für die Schüler und deren Eltern ist der Anlass wichtig.» Sie wüssten bereits weit im Voraus, wann der nächste Jugendkulturtag anstehe.

Als sich dieser vor sieben Jahren aus einem Schülerfestival heraus bildete, versandte die Jugendarbeit Broschüren an die Trägergemeinden, deren Schulen und Musikschulen. Heute benötigten die Lehrer keine Konzepte mehr zum Projekt, so Savija. «Alle wissen bereits, wie dieser Abend ablaufen wird. Das erleichtert die Organisation erheblich.»

Übers Wahlfach zur Schülerband

Für den siebten Jugendkulturtag gibt es ein Programmheft, in dem alle Schüler abgebildet sind. Auch der 14-jährige Colin Hess aus Kirchberg steht mit seiner Band «Biuigi Usrede» auf der Saalbau-Bühne. Über ein freiwilliges Wahlfach in der Schule gelangte er vor einiger Zeit zur Musik. Er spielt E-Bass, freut sich auf die vielen Besucher: «Dafür haben wir ja genügend geworben.»

Mit den acht anderen Bandmitgliedern will er am späten Abend nochmals einheizen. Nervös auf den Auftritt ist er zwar, aber das sei normal. «Schliesslich ist man das doch vor jedem Auftritt.» Colin muss es wissen: Er hat mit seiner Schülerband schon mehrere Konzerte zum Besten gegeben.

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